Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Die Fähigkeit, gedankenlos geniessen zu können, wird unterschätzt. Dabei führt genau sie zu mehr körperlichem und psychischem Wohlbefinden im Leben.

von Christine Schnapp

 

Selbstkontrolle und Disziplin geniessen in der Selbstoptimierungs-Gesellschaft einen guten Ruf, Genuss und Hedonismus etwas weniger. Doch was Genussmenschen schon immer gewusst haben, bestätigt nun eine neue Studienreihe der Universität Zürich (UZH) und der Radboud-Universität im niederländischen Nijmegen. Nämlich dass Vergnügen und kurzfristiger Genuss mindestens genauso zu einem zufriedenen Leben beitragen wie Selbstkontrolle, die das Erreichen langfristiger Ziele ermöglicht. Wichtig ist dabei laut den Forschenden die Fähigkeit, lustvolle Aktivitäten zu geniessen, ohne sich gedanklich ablenken zu lassen.

Die Forscherin Katharina Bernecker von der UZH und ihre Forschungspartnerin Daniela Becker in den Niederlanden entwickelten zusammen einen Fragebogen, der die sogenannte hedonistische Fähigkeit misst – die Fähigkeit, unmittelbaren Bedürfnissen und kurzfristigem Vergnügen nachzugehen und diese auch zu geniessen. Mit diesem Fragebogen untersuchten die Autorinnen in unterschiedlichen Kontexten, ob sich Menschen in diesen Genuss-Fähigkeiten unterscheiden und wie sich das auf ihr Wohlbefinden auswirkt.

Die Resultate sind eindeutig. Wer sich dem Genuss hingeben kann, ohne mit seinen Gedanken abzudriften, weist nicht nur kurzfristig, sondern grundsätzlich eine höhere Lebenszufriedenheit auf und leidet zudem seltener an Depressions- und Angstsymptomen. Wer hingegen beim Geniessen meist ins Grübeln gerät und über Dinge nachdenkt, die er stattdessen erledigen sollte, untergräbt das Bedürfnis, sich zu entspannen, und profitiert nicht von den wohltuenden Begleiterscheinungen uneingeschränkten Genusses.

Ob sich die Hedonismus-Fähigkeit solcher Grüblerinnen und Grübler verbessern liesse, muss gemäss den Forscherinnen noch weiter erforscht werden. Sie plädieren deshalb dafür, dass Hedonismus in der Psychologie mehr Wertschätzung erhält. So wie die Fähigkeit, wie Menschen langfristige Ziele effektiver verfolgen können, bereits viel Aufmerksamkeit erhalten habe. «Die Forschung über Selbstregulation sollte dem kurzfristigen Vergnügen und der Fähigkeit zu geniessen aber genauso Aufmerksamkeit schenken», so Katharina Bernecker.

Share This