Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Die Schweiz zwischen Globalisierung und Abschottung

Vor rund acht Monaten hat die US-amerikanische Regierung Schutzzölle auf Aluminium-und Stahlimporte angeordnet. Bereits zwei Wochen später kam es zu einer Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Auch die EU ging auf Konfrontationskurs mit ihrem wichtigsten Handelspartner.

Wir müssen leider konstatieren: Der Welthandel steht am Scheideweg. Und mit ihm die Globalisierung der Wirtschaft. Der Wind hat sich gedreht. Internationaler Handel und offene Märkte, Multilateralismus und Freihandelszonen: Was noch vor kurzem als Rezept für Frieden und Wohlstand galt, wird heute offener denn je hinterfragt.

Dabei ist die ökonomische Wirkung unbestritten: Freihandel schafft Wohlstand. Der Reichtum unseres Landes basiert wesentlich auf den Export- und Importleistungen der Wirtschaft – also auf der erfolgreichen internationalen Tätigkeit von Schweizer Unternehmen. Diese haben im In- und im Ausland Hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen und ermöglichen beträchtliche Einkommen für die lokale Bevölkerung. Gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern leisten Schweizer Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. Die globale Vernetzung hat grosse Teile der Weltbevölkerung aus der Armut herausgeholt und weltweit zu einem höheren Lebensstandard beigetragen. Doch die Angst in der Bevölkerung vor Massenarbeitslosigkeit und steigender Ungleichheit ist insbesondere in den Industrienationen gross. Dabei zeigen die Fakten: Die Globalisierung bringt viele Gewinner hervor.

Trotzdem gibt es auch Verlierer – vor allem Niedrigqualifizierte in Industrieländern, in denen kein sozialer Ausgleich vorhanden ist. Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt gab und gibt es indes keine Anzeichen für eine Verknappung von Arbeitsplätzen. Ganz im Gegenteil: Jahr für Jahr werden mehr Stellen geschaffen als abgebaut. Die Globalisierung hat sich in der Schweiz für praktisch alle Haushalte wohlfahrtssteigernd ausgewirkt. Nicht nur grosse Unternehmen, auch Schweizer KMU sind Teil der Globalisierung. Einerseits sorgen die exportorientierten Multis über Zulieferbeziehungen auch in den binnenwirtschaftlich orientierten Branchen für Wachstum. Andererseits ist die Erschliessung ausländischer Märkte auch für KMU ein wichtiges Instrument, um ihre Absatzmärkte zu diversifizieren und zu wachsen. Fast ein Fünftel der Schweizer KMU oder rund 97 000 Unternehmen erwirtschaften einen Teil ihres Umsatzes im Ausland.

Die global vernetzte Schweiz ist deshalb stark an internationalen Standards, an völkerrechtlichen Vereinbarungen und deren Einhaltung und damit auch an der Rechtssicherheit in den internationalen Geschäftsbeziehungen interessiert. Eine aktive Teilnahme in internationalen Organisationen und die Stärkung des Völkerrechts verbessern die Position unseres Kleinstaates. Unsere Mittel sind nicht Marktmacht oder militärische Stärke, sondern die Einflussnahme auf die internationale Wirtschaftspolitik – durch Mitarbeit an der Entwicklung der internationalen Rahmenbedingungen.

Heinz Karrer, Präsident der Economiesuisse und ehemaliger CEO der AXPO Holding AG.