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Was zählt! Freiheit bei der Wahl der Pensionskasse

Die Credit Suisse befragt jährlich die Schweizer Bevölkerung nach ihren grössten Sorgen. Aktuell wird dieses Sorgenbarometer von der Altersvorsorge angeführt. 45 Prozent der Befragten gaben Ende des vorigen Jahres an, dass sie sich in erster Linie um ihre Rente grosse Sorgen machen. Diese Sorgen sind insofern nachvollziehbar, als nicht nur die AHV grösste Finanzierungsprobleme hat, sondern auch die meisten Pensionskassen – die zweite Säule – infolge der Niedrigzinspolitik der führenden Notenbanken, welche die an sie gestellten Renditeerwartungen nicht mehr uneingeschränkt erfüllen können. Ferner können infolge der demografischen Entwicklung auch die ursprünglich in Aussicht gestellten Umwandlungssätze nicht länger aufrechterhalten werden.

Zunächst zu den Sorgen der AHV. Sie ist als Umlageverfahren konzipiert. Das bedeutet, dass die aktuellen Einnahmen nicht angelegt, sondern direkt an die AHV-Bezüger ausbezahlt werden. Das funktioniert so lange gut, als viele Arbeitende AHV-Beiträge leisten und wenige Rentner AHV-Bezüge erhalten. Sobald sich die Mehrheitsverhältnisse umkehren, kollabiert das System.
Davor haben verständlicherweise vor allem die Babyboomer grosse Angst. Sie haben als Erwerbstätige umfangreiche AHV-Beiträge zugunsten der Generation ihrer Eltern geleistet, müssen aber aufgrund des demografischen Wandels erkennen, dass die Finanzierung ihrer eigenen AHV-Bezüge zunehmend unsicherer wird.

Unter diesen Bedingungen wird sich die AHV immer stärker von einem Altersvorsorge- zu einem Sozialversicherungsinstrument wandeln, dessen Hauptfunktion darin besteht, durch geeignete Umverteilungsmechanismen die Altersarmut zu bekämpfen. Wer sich im Alter etwas leisten möchte, wird künftig noch stärker auf seine Pensionskasse angewiesen sein.
Im Gegensatz zur AHV wirtschaften die Pensionskassen nach dem Kapitaldeckungsverfahren. Die Beiträge der Versicherten werden nicht direkt an die Pensionsberechtigten ausbezahlt, sondern am Kapital- und Immobilienmarkt investiert. Diese Investitionen sind riskant und können sowohl zu Kapitalgewinnen als auch zu Kapitalverlusten führen. Gegen die hierdurch entstehenden Wertschwankungen sind die Pensionskassenmitglieder jedoch insofern versichert, als ihnen im Rentenfall nicht das zu diesem Zeitpunkt tatsächlich vorhandene Kapital anteilig ausbezahlt wird, sondern ein hypothetisch errechneter Betrag. Zudem haben die Rentenempfänger die einmalige Wahl, ihre Ansprüche ganz oder teilweise als lebenslange Rente zu beziehen. Dadurch können sich die Rentenempfänger gegen das finanzielle Risiko eines überdurchschnittlich langen Lebens versichern. Aufgrund dieser beiden Versicherungselemente kann es auch bei der Pensionskasse zu erheblichen Umverteilungen kommen. Hiervor haben vor allem diejenigen Angst, die bei den hypothetischen Anspruchsberechnungen den Kürzeren ziehen.

Was lässt sich gegen diese Ängste tun? In meinen Augen wäre es eine deutliche Verbesserung, wenn man den Versicherungspflichtigen die Möglichkeit eröffnen würde, ihre Pensionskasse frei zu wählen. Warum sollte man bei der Wahl der Pensionskasse nicht die gleiche Freiheit wie bei der Wahl der Krankenversicherung haben? Durch diese Wahlfreiheit könnten innovationsfördernde und wohlfahrtssteigernde Wettbewerbskräfte in Gang gesetzt werden, um die bestehenden Pensionsprobleme besser zu lösen und damit zumindest einen Teil der gerechtfertigten Ängste zu verringern.

Helmut Dietl, Professor für Betriebswirtschaftslehre am Lehrstuhl für Services & Operations Management der Universität Zürich.