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Der Titel sollte zum Programm werden, denn einen Fehler einzugestehen, sorgt für Entspannung und Frieden. Doch vielen fällt das so schwer, weil sie das Hamsterrad der Selbstrechtfertigungen bevorzugen. Das hat aber einen hohen emotionalen Preis.

Wer mit einem Sonnenbrand an die Sonne gerät, empfindet schnell Jucken oder gar Schüttelfrost. Eine ähnliche Reaktion hat jeweils Rolf, wenn die Frage auftaucht, ob er es gewesen sei. Bei ihm geht es dann gleich um die Schuldfrage und um die Schuldzuweisung. Daraus resultieren oft Diskussionen und Konflikte mit seiner Frau. Rolf kann Fragen nach seinem Handeln kaum ohne Selbstrechtfertigung und entsprechender Schuldzuweisung beantworten. Unüberlegtheiten, Nachlässigkeiten oder Fehler einzugestehen, fällt vielen Männern schwer. Sie empfinden das als Kontrollverlust, als eine Blösse, die sie verletzlich macht. Dabei wird übersehen, dass die Kunst, Fehler einzugestehen, viel mit Verantwortung für das eigene Handeln zu tun hat. Es kann sehr männlich sein, für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen. «Ich war es.» «Ich bin schuld.» Diese zwei Sätze haben eine gewaltige Ventilwirkung – für alle Beteiligten. Oft führt ein so offenes Eingeständnis gleich zu einem Themawechsel. Die Angelegenheit ist weg vom Tisch.

Aber oft verläuft es gegenteilig. Die Schuldfrage wird grilliert, bis dicker Rauch aufsteigt. Warum fällt es schwer, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen? Warum erachtet man Selbstrechtfertigungen als besser? Und warum nimmt man dabei in Kauf, Verletzungen zuzufügen und sich danach ebenfalls schlecht zu fühlen?

Verantwortung hat viel mit dem Gefühl zu tun, selbstwirksam zu sein. Wer sich machtlos und ausgeliefert fühlt, schiebt die Schuld gerne andern zu und gibt damit die Ruder aus den Händen. Und so beginnt ein Teufelskreis: Wer sich in Selbstrechtfertigungen verstrickt, fühlt sich am Ende tatsächlich ohnmächtig, weil man mit den Schuldzuweisungen nicht die angestrebte Wirkung erzielt, also nicht wirksam ist. Der deutsche Philosoph Odo Marquard schrieb über «Die Kunst, es nicht gewesen zu sein». Er zeigt auf, wie der Mensch nach Allmacht strebt – aber nur, solange es nicht schiefläuft. Über Misserfolge will er keine Macht.

Anton Ladner