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Die Corona-Krise hat zu erheblichen Einschränkungen im Alltag geführt. Das verursacht in Familienbeziehungen mehr Spannungen, weil zum Beispiel die Ansichten über Vorsichtsmassnahmen weit auseinandergehen. In solchen Zeiten hat Verzeihen eine zentrale Bedeutung.

Es war während eines Besuches in Neapel. Das Wichtigste sei, dass man sich vor dem Schlafengehen versöhne, sagte Papst Franziskus. Wer mit Konflikten in Beziehungen ins Bett steigt, schläft schlecht. Und während man sich hin und her wälzt, steigert man sich in Schuldzuweisung und Opferrolle. Der oberste Hirt der Katholikinnen und Katholiken ist auch ein guter Psychologe. Das wichtigste Kriterium für ein glückliches Leben ist für ihn nämlich nicht beten, nicht der Gottesdienstbesuch, sondern «leben und leben lassen», wie er in einem Interview mit einer argentinischen Publikation erklärte. Leben und leben lassen setzt Toleranz voraus und, wenn es dennoch zu Spannungen kommt, auch die Kraft, sie zu überwinden. Zum Beispiel mit einer Geste der Versöhnung oder verzeihenden Worten. Zugegeben, das ist schwieriger, wenn Kinder nicht zur Schule können, Arbeitgeber Homeoffice anordnen und das wöchentliche Schwimmen, Yoga, Fitness oder Wellness nicht stattfinden kann. Solche Lebensumstände erhöhen das Konfliktpotenzial. Deshalb gilt es, eine aktive Bereitschaft zu pflegen, sich versöhnen zu können. Das, weil es einem guttut, sehr gut sogar. Der Psychologe Robert Enright beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit Verzeihen. Er hat ein Modell entwickelt, um den Weg der Versöhnung zu gehen: sich bewusst werden, was Verärgerung ausgelöst hat, Entscheid fällen, zu verzeihen, Verständnis für die Gegenseite aufbringen und dann Schwamm drüber. So kommen Mitgefühl, Wohlwollen und Befriedigung über die eigene Grosszügigkeit auf. Eigene Gefühle, die man für sich generiert – spirituelle Selbstfürsorge, um einem höheren Ziel zu dienen, von dem man selber am meisten profitiert. Manchen fällt das leichter, anderen schwerer. Enright hat festgestellt: Je näher einem eine Person steht, desto schwieriger fällt das Verzeihen. Deshalb rät er, es zu üben, indem man im Alltag möglichst oft Kleinigkeiten verzeiht. Es gebe drei Arten, so Enright, Tugenden zu lernen: Übung, Übung und Übung.