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Viele Menschen leben unter ihren Möglichkeiten. Der Grund dafür liegt darin, dass an alten Überzeugungen festgehalten wird. Sie wirken wie Bremsklötze und werden zu wenig infrage gestellt.

Über Jahre war Petra überzeugt, dass der Verzehr von mehreren Eiern pro Woche ungesund sei. Aber ihr Sohn liebte Drei-Minuten-Eier, was immer wieder zu Diskussionen und Spannungen führte. Petra hat von ihrer Mutter mit auf den Weg bekommen, Eier würden die Cholesterinwerte erhöhen und seien ungesund für Kinder. Erst nach Jahren als Mutter schenkte sie der neuen Forschung Glauben, dass Eier Stoffe enthalten, die sich gegenseitig kompensieren, sodass ein Ei eben keine Cholesterinbombe ist. Ein simples Beispiel, wie eine fixe Idee das Leben einschränkt. Die gleichen Mechanismen wirken, wenn es sich um Lebensoptionen handelt. Die Menschen möchten zwar ihr Leben autonom für ein gutes Gelingen gestalten. Oft lassen sie sich dabei aber von Überzeugungen bestimmen, die sie nicht überprüft haben, die sie nicht infrage stellen. Fixe Vorstellungen, was man darf, was man muss und was man nicht kann, konditionieren so den Lebensweg. Schlummernde Fähigkeiten, Ansätze von besonderem Denken, kurz verborgene Talente, bleiben so unterdrückt. Viele Menschen leben deshalb unter ihren Möglichkeiten. Das bedeutet auch, in der Erfüllung, in der Sinnstiftung unter dem zu bleiben, was möglich wäre. Jeder Mensch erblüht in der Hingabe an ein Talent, sei es backen, gärtnern, Tiere umsorgen, schreiben, singen, schneidern. Die Vollendung der Hingabe besteht darin, sich dabei ganz zu vergessen, was als Glück empfunden wird. Denn der Mensch ist darauf angelegt, über sich hinauszuwachsen. Das bedeutet, Begrenzungen, fixe Ideen, alte Überzeugungen hinter sich zu lassen. Wer über sich hinauswachsen will, muss somit bereit sein, zu neuen Glaubenssätzen aufzubrechen. Da kann leicht Angst aufkommen. Warum soll man Altes aufgeben, wenn das Neue weitgehend verunsichert? So paradox es klingt: In solchen Situationen neigt der Mensch dazu, alte Verbote neuen Geboten vorzuziehen. Das kann leicht zu einer Selbstsabotage werden. Der Jesuit Alfred Delp, der vor 75 Jahren von den Nazis hingerichtet wurde, schrieb in Gefangenschaft mit gebundenen Händen: «Der Mensch muss sich selbst hinter sich gelassen haben, wenn er eine Ahnung von sich selbst bekommen will.»

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