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Mein achtsamer Blick:

 

Julia Küng,
Co-Präsidentin Junge Grüne Schweiz

 

 

Die schlechte Nachricht: Die Welt ist voller Krisen und Probleme. Gesundheitskrise, Klimakrise, Wirtschaftskrise, Biodiversitätskrise, Rassismus, Sexismus und Armut − um nur einige aufzuzählen. Die zweite schlechte Nachricht: Wir sind auf dem besten Weg, keine davon zu lösen. Stattdessen fragen wir uns, welche die dringendste sei, und verlieren uns in scheinbar unlösbaren Interessenkonflikten.

Alle Krisen haben gemeinsam, dass sie die bestehenden Ungleichheiten verstärken. Die COVID- und die Klimakrise betreffen den globalen Süden deutlich stärker als den Rest der Welt. Auch unter Wirtschaftskrisen leiden marginalisierte Gruppen mehr als die wohlhabenden Weissen. Wir müssen aufhören, jede Krise isoliert von den anderen zu betrachten. Sie hängen alle zusammen und wir können sie nicht getrennt voneinander bekämpfen.

Der Weg aus der Klimakrise muss feministisch sein und der Weg aus der Wirtschaftskrise ökologisch. Nur mit dieser Intersektionalität, mit diesem Verbinden von Kämpfen, können wir Krisen bei ihren Wurzeln packen und Probleme lösen, ohne neue zu schaffen. Viele grosse Krisen entpuppen sich als eine gigantische Krise des menschlichen Wirtschaftens und Zusammenlebens. Die Lösung dieser Krise ist herausfordernd und erfordert gesamtgesellschaftliche Diskussionen und intensive demokratische Wandlungsprozesse.

Klar ist jedoch, dass wir andere Strategien als bisher brauchen. Das aktuelle Paradigma lautet, dass wir mit mehr Wirtschaftswachstum, also mit mehr Profit für wenige, mehr technologischer Innovation und mehr Arbeitszeit all unsere sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Probleme lösen würden. Ein Blick auf die Klimakrise genügt, um dies als Märchen zu entlarven. Die Erderwärmung ist uns schon lange bekannt und wir haben stets versucht, dem Problem mit «grünem Wachstum» entgegenzuwirken.

Heute aber überschreiten die konsumbedingten Treibhausgas-Emissionen der Schweiz das planetenverträgliche Mass um das 23-fache und uns bleiben nicht einmal mehr zehn Jahre, um das unabdingbare 1.5-Grad-Ziel zu erreichen. Unser Planet setzt dem Wachstum Grenzen. Für uns Junge Grüne ist klar, dass wir für eine global solidarische Welt kämpfen, die innerhalb der planetaren Grenzen funktioniert. Wir wollen dabei die Debatte darüber starten, was ein gutes Leben ausmacht und was in Zukunft wachsen soll. Wir sind überzeugt, dass es nicht unsere Wirtschaft sein soll. Die Zeit für uns und füreinander soll wieder mehr werden, Diskussionskulturen und Demokratien sollen aufblühen, Vielfalt und Akzeptanz gestärkt werden und die Natur soll sich erholen können.

Ich schliesse mit der guten Nachricht: Die Welt wird sich verändern, ob wir wollen oder nicht. Doch noch haben wir in der Hand, wie der Wandel aussehen soll.

 

*In dieser Rubrik wirft jede Woche eine prominente Persönlichkeit einen achtsamen Blick auf die Schweiz und beschreibt aus ihrer Sicht, was zählt. Diese Meinung muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

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