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Anne Challandes
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Mein achtsamer Blick:

 

Kathrin Jaag
Co-Geschäftsleiterin von Bird Life Zürich

Weg frei für die Artenvielfalt!

Wussten Sie, dass in der Stadt Zürich nahezu hundert Schmetterlingsarten zu entdecken sind und auf Stadtgebiet rund 1200 Farn- und Blütenpflanzen wachsen? Dass neben Fuchs und Igel auch der Siebenschläfer, die Haselmaus und über 25 weitere Säugetiere dort zu Hause sind? Der urbane Siedlungsraum wird nicht nur von uns Menschen bewohnt, sondern bietet auch zahlreichen Tier- und Pflanzenarten eine Lebensgrundlage.

Noch immer vermuten viele Menschen die vielfältige Natur «draussen, auf dem Land». Doch eine saftig grüne Landschaft bedeutet nicht immer fruchtbaren Boden für die Artenvielfalt. Im Gegenteil: Die intensive Landwirtschaft bringt oft recht monotones Kulturland hervor und das steigert die Bedeutung der Siedlungsgebiete für die Biodiversität. Viele Kleintiere wie Wildbienen, Eidechsen, aber auch Fledermäuse, Singvögel und viele Pflanzen finden in strukturreichen Gärten, Parks und Betriebsgeländen einen Platz zum Leben.

Doch auch im Siedlungsraum wächst der Druck auf die Natur: Durch den Verlust von ökologisch wertvollen Flächen und das zunehmend verdichtete Bauen gehen wertvolle Lebensräume verloren. Wollen wir die Artenvielfalt langfristig erhalten, so brauchen wir eine «ökologische Infrastruktur».

So selbstverständlich, wie wir unsere Strassennetze, Stromleitungen und Kanalisationen aufbauen, so fraglos müssten wir auch eine ökologische Infrastruktur planen und instand halten: In grossflächigen Schutzgebieten können sich Bestände bedrängter Arten erholen und Ökosysteme ihre Funktionen erfüllen.

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Hinzu kommen ökologisch wertvolle Vernetzungsgebiete, welche die Kerngebiete untereinander verbinden. Diese «Trittstein-Lebensräume» braucht es, damit Organismen in der Landschaft zirkulieren können und Schutzgebiete nicht isoliert bleiben. Als Vernetzungselemente bieten sich ökologisch wertvolle Flächen im Kulturland oder im Wald an. Vernetzungspotenzial ist aber auch im Siedlungsraum auszumachen oder vielmehr zwingend nötig: Die kleine Schweiz ist so dicht besiedelt, dass eine ökologische Infrastruktur ohne Siedlungsraum so löchrig bliebe wie ein Schweizer Käse. Ausserdem bestehen klare gesetzliche Grundlagen dazu: Im Natur- und Heimatschutzgesetz ist festgehalten, dass als Ausgleich zur intensiven Nutzung von Gebieten die Artenvielfalt mit der Pflanzung von naturnaher Vegetation und der Schaffung von Biotopen zu fördern sei. Dafür haben die Kantone zu sorgen.

Heute sind es vor allem engagierte Naturliebhaber, die für Vielfalt im Siedlungsraum sorgen: mit einer Bienenweide im Garten, heimischen Bäumen oder blütenreichen Balkonbepflanzungen. Gebaut wird hingegen – fast immer – ohne ökologischen Ausgleich. Ein Grund dafür ist, dass die Baubewilligungen durch die Gemeinden vergeben werden. Diese fühlen sich jedoch nicht zuständig, weil «die Kantone dafür zu sorgen» haben. Der Zürcher Kantonsrat beschäftigt sich derzeit mit dieser festgefahrenen Situation. Hoffen wir, dass er diese Chance packt und den Weg für eine durchgängige ökologische Infrastruktur frei macht!

Kathrin Jaag ist Co-Geschäftsleiterin von Bird Life Zürich.

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