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Vor allem im Nahen Osten und in Afrika werden Kinder als Soldaten eingesetzt. Vier von zehn Kindern sind Mädchen. Ihre Zahl nimmt stetig zu. Laut dem UNO-Kinderhilfswerk UNICEF gehen Schätzungen von bis zu 250 000 Kindersoldaten weltweit in 60 Konflikten aus. 

von Axel Amweg

In 18 Ländern wurde seit 2016 der Einsatz von Kindersoldaten in bewaffneten Konflikten dokumentiert: Afghanistan, Kamerun, Kolumbien, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Indien, Irak, Mali, Myanmar, Nigeria, Libyen, Philippinen, Pakistan, Somalia, Sudan, Südsudan, Syrien und Jemen. Trotz der Bemühungen internationaler Organisationen steigt die Zahl der dokumentierten Fälle stetig an. Verlässliche Zahlen liegen keine vor. Die UNO veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht über Kinder in bewaffneten Konflikten, in dem auch die Zahlen für nachweislich rekrutierte Kinder genannt werden – und die Namen der dafür verantwortlichen Armeen oder bewaffneten Gruppen. Auf dieser sogenannten Liste der Schande stehen momentan über 60 Konfliktparteien. 

Kinder für Kriegszwecke rekrutiert
Kriege, die von Kindern geführt werden, sind eine Barbarei innerhalb der Barbarei. Mit Kindersoldaten sind Menschen unter 18 Jahren gemeint, die von Streitkräften für Kriegszwecke rekrutiert oder eingesetzt werden. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen arbeiten als Spione, Boten, Köche, Lagerhelfer und werden oft auch sexuell missbraucht. Bei 40 Prozent der Kindersoldaten handelt es sich um Mädchen, die oft Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt sind.

Die UNO hat 2002 das erste Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes verabschiedet, das die Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten scharf verurteilt. Laut dem UNO-Bericht von 2019 wurden mehr als 25 000 schwere Verstösse dagegen aufgelistet. So wurden beispielsweise 7747 Kinder, von denen einige erst sechs Jahre alt waren, innerhalb eines Konflikts eingesetzt. Kinder werden aus verschiedenen Gründen Teil einer bewaffneten Kraft oder Gruppe. Manche werden entführt, bedroht oder psychologisch manipuliert. Andere werden durch Armut und reinen Überlebensdrang zu Kindersoldaten.

Auch die zunehmende Verbreitung von leichten Waffen, deren Handhabung keine Kraft erfordert, hat den Einsatz von Kindersoldaten weiter gefördert. Nach Angaben der internationalen Organisation Human Rights Watch haben viele westliche Länder mit ihrer Bekämpfung der Terrororganisationen ISIS, Boko Haram und Al-Shabaab zu härteren Massnahmen gegriffen, die oft auch die Inhaftierung und Verurteilung von Minderjährigen beinhalten. Seit 2012 verzeichnet die UNO eine Verfünffachung der Zahl der inhaftierten Kinder. Laut Human Rights Watch wird mit zweierlei Mass gemessen: In traditionellen Kriegen werden Kinder als Opfer gesehen, die rehabilitiert werden müssen, während in Konflikten mit terroristischen Gruppen die beteiligten Kinder als Kriminelle behandelt werden.

In die Normalität zurück
Das U
NO-Kinderhilfswerk UNICEF engagiert sich für die Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten in der Zentralafrikanischen Republik, wo sich das Phänomen zu einer humanitären Notlage entwickelt hat. Hier betreffen 34 Prozent der kürzlich verifizierten Fälle von Zwangsrekrutierung minderjährige Mädchen. In der zweiten Phase erfolgt die Familienzusammenführung oder die Betreuung in einer Pflegefamilie und für Minderjährige unter 15 Jahren die Wiedereingliederung in die Schule. Die vollständige Wiedereingliederung eines ehemaligen Kindersoldaten ist ein langer und komplexer Weg. Es bedeutet, einem Minderjährigen die Chance zu geben, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, sich in einer neuen Rolle und einer neuen Identität wiederzuerkennen. 

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