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Ein guter Rat lautet, man solle die Signale seines Körpers beachten. Offenbleibt dabei aber, wie diese Signale sich bemerkbar machen und was sie bedeuten. Denn Körpersignale können nicht nach Schema F interpretiert werden. Es braucht mehr.

Willi B., seit drei Jahren in Pension, hat immer wieder ab und zu Rückenschmerzen. Er steht am Morgen auf und weiss nicht, warum er sich kaum aufrichten kann. Oder er fährt mit dem Auto zum Einkauf, und wenn er auf dem Parkplatz aussteigt, muss er einige Sekunden verharren, weil er beim Aufrichten einen stechenden Schmerz empfindet. Der Rat seiner Frau lautet jeweils: Er solle sich schonen, sich hinlegen und lesen. Der Chiropraktiker riet Willi jedoch das Gegenteil davon: Spazieren, spazieren und eine Mitgliedschaft in einem Fitness-Center. Das fordert am Anfang etwas Überwindung und Schmerztoleranz, was der Körper aber schnell belohnt. Tatsächlich wurde früher bei Rückenschmerzen in der Bettruhe die beste Therapie gesehen. Heute weiss man, dass die Muskulatur gestärkt werden muss, um die Wirbelsäule zu entlasten. Muskeln sind jedoch schnell «beleidigt». Wenn man sie nicht braucht, ziehen sie sich zurück. Deshalb sagen die Amerikaner: «Benutze sie oder verliere sie.» Das Körpersignal Schmerz ist immer ein klarer Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt. Dieses Zeichen wird aber  oft falsch interpretiert. Ein verstauchter Fuss heilt schneller, wenn er belastet wird, als wenn mit ihm herumgehumpelt wird. Kopfschmerzen verschwinden rascher an der frischen Luft auf dem Fahrrad oder bei einem Waldspaziergang als zu Hause im Bett. Bei Schmerzen ist der Mensch schnell bereit, klein beizugeben, bei Müdigkeit sonderbarerweise nicht. Um einer halben Stunde Schlaf zu entgehen, schleppt man sich lieber mit Kaffeekonsum durch den Tag. Schlafen hat vor allem in der Arbeitswelt (noch) ein schlechtes Image. Schlafen wird schnell mit Antriebsschwäche und Ineffizienz gleichgesetzt, obschon 30 Minuten Schlaf wissenschaftlich nachgewiesen zum Gegenteil führen. Jugendliche sehen sogar ihr Image angeschlagen, wenn sie am Wochenende früh ins Bett gehen, obschon sie nach einer strengen Woche todmüde sind. Und wer aus Übermüdung hinter dem Steuer gegen Sekundenschlaf ankämpft, gefährdet nicht nur sein eigenes Leben.

Viele Menschen, vor allem Männer, schlafen nach Champagner- oder Weissweinkonsum am Abend schlecht. Die wenigsten ziehen aber aus diesem Körpersignal eine Konsequenz und trinken zum Beispiel nur Wasser oder Rotwein. Fazit: Es sind oft gesellschaftliche Konventionen, die darüber entscheiden, wie man mit Körpersignalen umgeht. Das ist falsch. Jeder sollte einen ganz persönlichen Stil im Umgang mit den Signalen finden. Das wäre eine kluge Selbstfürsorge.