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Im kolumbianischen Norte de Santander kommt der Kokainhandel an der Grenze zu Venezuela allen gelegen: den Produzenten, der Guerilla, den Schmugglern, dem korrupten Militär und den Politikern in Bogotá.

von Axel Amweg

Die Hauptanbaugebiete der Kokapflanze liegen in dem südamerikanischen Staat Kolumbien. Dort wird in illegalen Labors aus den Blättern Kokain gewonnen, das meist über den Landweg in die Vereinigten Staaten gelangt. Aus Südamerika werden auch jährlich schätzungsweise 150 bis 170 Tonnen Kokain nach Europa geschmuggelt, meist in Containerschiffen.

Die Einnahmen daraus haben in Kolumbien jahrzehntelang den Bürgerkrieg mit über 300 000 Toten finanziert. Das Friedensabkommen von 2016 und die Demobilisierung der FARC haben diesem Krieg jedoch kein Ende gesetzt. In Kolumbien geht es weiter mit Morden, Massakern, Entführungen, Kinderrekrutierung und Zwangsmigration, vor allem im Norte de Santander. Diese Region wird als «unabhängige Republik Kokain» bezeichnet, wo die Gewalt des Stärkeren entscheidet.

Dort liegt Tibú, die Stadt mit der grössten Koka-Anbaufläche des Landes. In diesem Gebiet haben Agrofirmen auch ausgedehnte Ölpalmenplantagen angelegt. Doch die Monokulturen sind heute weitgehend verlassen, weil die Campesinos vor der offenen Gewalt geflohen sind. Die Polizei hat sich längt zurückgezogen und die Militärs haben sich in ihren Stützpunkten verschanzt.

Es läuft wie geschmiert
In La Gabarra, ein abgelegenes Dorf am Río Catatumbo, sind die Strassen gesäumt von SUV mit getönten Scheiben. Aus den Bars ertönen Lieder, die die Heldentaten von Pablo Escobar preisen.

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Unten am Hafen füllen die Schmuggler die Boote, die nach Venezuela pendeln. Sie transportieren Kokain, Gold, Waffen, Treibstoff und Migranten. Der Río Catatumbo ist «die Drogenautobahn». Mit einer Jahresproduktion von mehr als 280 Tonnen Kokain-Basispaste ist der Norte de Santander heute die profitabelste Region des Landes. Sie hält den Weltrekord im Kokainexport. Nach dem Transport in den Booten erreicht das Kokain geheime Flugzeuglandebahnen in Venezuela, wo die heisse Ware in Kleinflugzeugen in die Karibik und nach Nordamerika gelangt.

In New York werden für ein Kilo Kokain 150 000 Dollar bezahlt. In Kolumbien ist es für 5000 Dollar zu kaufen. Ein gigantisches Geschäft, bei dem verschiedene mexikanische Clans eine dominante Rolle spielen: Das Sinaloa-Kartell, Los Zetas und Jalisco Nueva Generación kontrollieren laut Schätzungen heute 80 Prozent des Kokainhandels aus Kolumbien nach Nordamerika. Bewaffnete Gruppen garantieren die Sicherheit und die Kontrolle. Das fiel während der Pandemie leicht, weil sich in Kolumbien die Polizei und die Militärs aus dem Drogengebiet zurückgezogen haben.

Eroberter Fluss
Der Río Catatumbo, die »Drogenautobahn», ist heute in den Händen der Frente 33, eine der dissidenten Randgruppen der FARC, die das Abkommen von 2016 abgelehnt haben. Aber auch zahlreiche andere paramilitärische Formationen und kriminelle Banden kämpfen darum, ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Das führt zu blutigen Bandenkriegen und gezielten Tötungen mit Hunderten von Opfern. Die bewaffneten Gruppen beschränken sich nicht darauf, den Drogenhandel zu verwalten und die Abholzung von Tausenden Hektar Wald zu fördern, um Platz für Koka zu schaffen: Sie sabotieren auch die Ölpipelines, um die für die Gewinnung des Alkaloids notwendigen chemischen Substanzen zu beschaffen. Und sie legen um Palmöl-Plantagen Antipersonenminen, um die Landbevölkerung zu ihren Arbeitssklaven zu machen.

Flucht oder Furcht
Derweil wurde in Kolumbien das Besprühen der Kokapflanzungen mit Monsantos tödlichem Glyphosat aus der Luft verboten. Andere Massnahmen gegen den Anbau werden von bewaffneten Gruppen heftig bekämpft. Hunderttausende von Familien sind deshalb zu Opfern von Zwangsumsiedlungen geworden. Sie sind Gewaltflüchtlinge im wahrsten Sinne des Wortes. Bei einer Bevölkerung von 50 Millionen hat Kolumbien bereits acht Millionen Binnenflüchtlinge. Die sogenannten Desplazados leben in prekären Verhältnissen.

Das sichere Einkommen
Die Alternative dazu ist die Koka-Wirtschaft. Wer sich in die Produktionskette unter dem Schutz eines Clans einreiht, hat ein sicheres Einkommen, aber ein gefährliches Leben. Das erscheint vielen als eine bessere Alternative.

Davon profitiert sogar die kolumbianische Regierung, die aus internationalen Geldtöpfen Milliarden von Dollar für den Kampf gegen den Drogenhandel einnimmt. Kokain ist ein gigantisches Geschäft für die Produzenten und Vertreiber, aber auch für die Bekämpfer der illegalen Droge.

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