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Pestizide im Sinne des Vorsorgeprinzips reduzieren

In einer vielbeachteten Studie hat eine Forschungsgruppe unter der Leitung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern die räumliche Verteilung des Krebsrisikos bei Kindern in der Schweiz untersucht. Die Gruppe fand Hinweise auf ein erhöhtes Hirntumorrisiko in bestimmten Gebieten. Die beiden jungen Todesopfer in der Gemeinde Flaach, die in einem dieser Gebiete liegt, werden nun in Zusammenhang mit dieser Studie in den Medien erwähnt. Die Geschichten dieser beiden Familien machen betroffen und werfen Fragen auf. Trotzdem darf von diesen Einzelschicksalen nicht auf einen direkten Zusammenhang geschlossen werden. Gemäss Ben Spycher, Autor der Studie, können wir aktuell nicht sagen, was die beobachteten Unterschiede in der Schweiz erklären könnte. Deshalb fordert Spycher, dass diese Frage weiter untersucht wird. Die Stiftung Krebsforschung Schweiz, die diese Studie mitfinanziert hat, wie auch die Krebsliga Schweiz unterstützen das Anliegen, den Einfluss von Umweltrisikofaktoren auf Krebserkrankungen weiter zu erforschen.

Jährlich erkranken in der Schweiz etwa 250 Kinder und Jugendliche an Krebs. Diese Erkrankungen werden seit 1976 landesweit im Kinderkrebsregister erfasst. Ein geringer Anteil ist genetisch bedingt, bei den meisten Erkrankungen bleibt die Ursache jedoch unklar. Das ist für alle Betroffenen sehr schwer zu akzeptieren. Die vielen offenen Fragen in Bezug auf das Krebsrisiko und mögliche Nebenwirkungen von Pestiziden auf Mensch und Umwelt führen auch in der breiten Bevölkerung zu einer zunehmenden Verunsicherung und Polarisierung der Debatte. Dies zeigt sich nicht nur in der Medienberichterstattung, sondern auch in den zahlreichen politischen Vorstössen. Die laufende Pilotphase der Gesundheitsstudie im Kanton Waadt und Bern sowie die daraus geplante gesamtschweizerische Human Biomonitoring-Studie (HBM) können möglicherweise weitere Puzzleteile zur Beantwortung dieser Fragen liefern.

Die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft verschiedene Pestizide als krebserregend oder potenziell krebserregend ein. Sie bezieht sich dabei auf das Gefährdungspotenzial, unabhängig von der Dosis, mit der man im Alltag in Kontakt kommt. Das tatsächliche Risiko für die Gesundheit ist jedoch schwierig zu quantifizieren. Gerade aufgrund der Wissenslücken in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen sollte im Sinne des Vorsorgeprinzips der Pestizideinsatz so weit als möglich gesenkt werden. Dabei muss auch sichergestellt werden, dass besonders risikoreiche Wirkstoffe nicht durch weniger gut erforschte (und somit eventuell zu einem späteren Zeitpunkt als besonders schädlich eingestufte) Produkte ersetzt werden. Dass gewisse Landwirte bereits jetzt weniger Pestizide verwenden oder diese sogar ganz weglassen, ist erst ein Anfang.

 

Daniela de la Cruz ist CEO der Krebsliga Schweiz.

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