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In Paris vier, in Italien zwei, in der Deutschschweiz drei: Wangenküsse zur Begrüssung oder zur Verabschiedung sind ländergenormt und erscheinen oft als mühsamer Zeitverlust. Geht es dabei nur um einen Modetrend oder tatsächlich um Zuneigung?

Ja, es gibt ihn, den internationalen Tag des Kusses. Er findet am 6. Juli statt und soll bewusst machen, dass der Kuss Ausdruck von Liebe, Freundschaft, aber auch von Ehrerbietung ist – je nach Breitengrad. In der Schweiz ist ein Tripel an Küsschen zu einer Begrüssungskultur geworden, die nicht auf heimischer Tradition fusst. Sie hat sich ergeben, wohl als Folge der Globalisierung mit den günstigen Städteflügen. Im Fall von Begrüssungsküssen zwischen Männern handelt es ich zweifellos um einen Import aus Südeuropa. In der Deutschschweiz hat sich das Dreiküsschenritual so stark etabliert, dass zum Beispiel Italiener, die einen Kuss links und einen rechts gewohnt sind, dadurch verwirrt werden. Da ergibt sich manchmal sogar ein Zusammenstoss der Nasen. Warum drei Küsse auf die Wange oder in die Luft? Niemand weiss das. Sind diese Küsse auch Ausdruck von Herzlichkeit und Verbundenheit? Wer bekommt Küsschen und wer den Handschlag?

Für Rainer Wälde, deutscher Benimmexperte, steht fest: Im beruflichen Umfeld sollten Begrüssungs- und Abschiedsküsse ein Tabu bleiben. Sie eröffnen zu viel Raum für Missverständnisse mit schwierigen Folgen. Die Deutsche-Knigge-Gesellschaft hat sich deshalb für ein Kussverbot am Arbeitsplatz ausgesprochen. Wangenküsse sind somit auf den Privatbereich beschränkt: auf Familienmitglieder, Verwandte, Freunde. Bei weiteren Kreisen wird es schon wieder kompliziert. Küsst man als Mitglied einer Kommission die Kollegin, wird das fortan erwartet, auch wenn sich mit der Zeit erweist, dass man diese Kollegin nicht leiden mag. Eine gewisse Zurückhaltung mit diesen drei Küsschen kann eine gute soziale Fürsorge sein – ein Folgen der inneren Stimme. Christoph Stokar Autor von «Der Schweizer Knigge» gibt zudem zu bedenken, dass dieses Ritual auch umständlich werde, wenn sich bei einem Treffen mehrere gegenseitig mit Küssen begrüssen müssen. Diese Fliessbandarbeit mögen die jungen Menschen in der Schweiz offenbar nicht mehr leisten. Drei Küsschen zur Begrüssung und zur Verabschiedung sind in ihren Augen etwas für ältere Generationen. Sie umarmen sich manchmal oder geben sich einfach einen Klaps auf den Rücken. Sich an den Jungen neu zu orientieren, lohnt sich immer wieder.