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Leuchttürme ziehen in Bann, weil von ihnen eine Kraft ausgeht, die in der Standfestigkeit begründet liegt. Leuchttürme vermitteln als Orientierungshilfen ein Gefühl der Sicherheit. Kein Wunder, dass zwei der sieben Weltwunder Leuchttürme sind.

 von Anton Ladner

Rein funktionale Bauwerke faszinieren in der Regel wenig. Bei Leuchttürmen verhält es sich aber anders. Das hängt mit Kinderträumen zusammen, mit Reisesehnsüchten, mit Feriengefühlen und unterbewusst mit der Sicherheitssehnsucht. Denn erfunden wurden sie, um den Seefahrern beim Navigieren beizustehen. Leuchttürme waren Begleiter auf dem Weg hinaus aufs Meer und bei der Ankunft an Land − Begrüsser und Verabschieder zugleich. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass zwei der sieben Weltwunder Leuchttürme sind. Der Koloss von Rhodos trug in einer Hand eine Fackel, um den Schiffen in der Nacht die Richtung durch die Wellen zu weisen. Er war über 30 Meter hoch und stellte den Sonnen- und Stadtgott Helios dar. Die Bronzestatue soll etwa 292 v. Chr. nach zwölfjähriger Bauzeit vollendet gewesen und um 227 v. Chr. aufgrund eines Erdbebens eingestürzt sein.

Der Pharos von Alexandria, entstanden 279 v. Chr., wurde später zum Namensgeber der Leuchttürme. Nach Überlieferung war er bis ins 20. Jahrhundert mit etwa 115 bis 160 Metern der höchste Leuchtturm, der je gebaut wurde. Benannt wurde er nach der kleinen Insel Pharos, auf der er stand. Zwei Erdbeben in den Jahren 1303 und 1323 zerstörten den Turm weitestgehend. Die Trümmer wurden 1480 gehoben und in einer Festung an der Küste verbaut. Die nächste Referenz in der Geschichte der Leuchttürme ist der Herkulesturm im nordspanischen A Coruña. Errichtet wurde er 110 n. Chr. und im Jahr 1791 weiter ausgebaut und mit einer klassizistischen Umhüllung ergänzt. Seit 2009 gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Eine erhebliche Verbesserung erfuhr die Leuchtturmtechnik erst 1782 durch den Genfer Physiker Aimé Argand mit der sogenannten Argand-Lampe, eine Petrollampe, die später durch Gasglühlichter ersetzt wurde. Dank dem Franzosen Augustin Jean Fresnel wurde später eine Lichtbündelung durch eine spezielle Linse möglich, was die Reichweite der Leuchtfeuer stark steigerte. Die sogenannte Gürtellinse führte zu einer besseren Ausnutzung der einzelnen Lichtquelle. In modernen Leuchttürmen bündeln bis zu 1000 Linsen und Prismen das Licht, was zu einer enormen Strahlkraft führt. Licht bewegt sich ja mit einer Geschwindigkeit von 300 000 Kilometern in der Sekunde. Später wurde die Scheinwerfer-Optik entwickelt, um den Lichtstrahl in die gewünschte Richtung zu lenken. Jeder Leuchtturm verfügt über eine individuelle Folge von Licht und Pause. Was blinkt, beachtet man besser. Ein Uhrmacher aus Dieppe erfand diesen Blinkmechanismus 1787 für den Leuchtturm von Dieppe.

Die modernen digitalen Navigationshilfen haben die Bedeutung von Leuchttürmen geschmälert. Aber sie werden immer noch als Schifffahrtszeichen geschätzt, weil sie beim Ausfall des GPS, der Elektronik oder der Stromversorgung eine Absicherung bieten – eine gebaute Sicherheit.

 

König aller Leuchttürme
Vor der Ostfriesischen Insel Wangerooge steht der Leuchtturm Roter Sand im Wasser. Der  1885 fertiggestellte, 52,5 Meter hohe Turm gilt als Meisterwerk. Er war das erste auf Meeresgrund errichtete Bauwerk des Deutschen Kaiserreichs. Deshalb wurde der Leuchtturm Roter Sand zum Symbol des technischen Fortschritts und gilt heute noch als Inbegriff eines Leuchtturms. 2010 wurde er als historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst  ausgezeichnet. Die Bremerhaven Touristik bietet im Sommer Tagesfahrten zum Leuchtturm an. Früher war es in den Sommermonaten möglich, im Leuchtturm eine Nacht zu verbringen. Dafür standen die sechs Kojen der ehemaligen Besatzung zur Verfügung. Da ein Anlegen am Turm bei mehr als Windstärke 4 unmöglich ist, stand ein Notproviantvorrat für längere Aufenthalte zur Verfügung.

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