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Acht Fussballfelder – jeden Tag

Siedlungsbrei – dieses Wort kommt mir in den Sinn, wenn ich im Schweizer Mittelland aus dem Zugfenster schaue. Jeden Tag verliert die Schweiz eine Fläche von acht Fussballfeldern an Grünfläche. Als kleines Land sollten wir jedoch endlich Sorge tragen für eine zu einer unserer wichtigsten Ressourcen: denm Boden.

Die Schweizer Ackerflächen gehören zu den wertvollsten der Welt, und trotzdem lassen wir zu, dass pro Sekunde ein Quadratmeter unter dem Beton verschwindet. Nur knapp ein Drittel Fläche der Schweiz ist überhaupt für Wohnen, Gewerbe und Landwirtschaft nutzbar. Der Rest sind Berge, Wälder und Seen. Innerhalb dieses begrenzten Platzes wurde seit 1985 eine Fläche betoniert, die der des Genfersees entspricht.

Beim Boden stellt sich wie bei vielen anderen Ressourcen die Frage: Was hinterlassen wir den zukünftigen Generationen? Denn die kommenden Generationen, welche die Folgen der heutig unverantwortlichen Raumplanung zu tragen haben werden, sind noch nicht geboren und können sich nicht gegen egoistisches und kurzfristiges Denken wehren. Genauso wie Erdöl oder wertvolle Erdmetalle ist auch das Kulturland eine Ressource, welche nicht nachwächst und in der Schweiz in nur geringen Mengen vorhanden ist. Ein zubetonierter Boden ist für immer zerstört und lässt sich kaum mehr restaurieren. Umso wichtiger ist es, diese wichtige Lebensgrundlage zu erhalten.

Mit der Zersiedelungsinitiative fordern wir einen achtsamen und sorgfältigen Umgang mit der Natur und unserem Boden. Die Zersiedelungsinitiative kann ein weiteres Ausdehnen der Bauzonen verhindern, und zwar bevor das Schweizer Mittelland zu anonymen Agglomerationssiedlungen und Industrieflächen zusammengewachsen sein wird. Die heutigen 400 Quadratkilometer an eingezontem Bauland reichen aus, um die Bedürfnisse von Wirtschaft und Gesellschaft zu befriedigen, gleichzeitig aber einen verschwenderischen Umgang mit unserem Boden abzumildern. Seit der Verabschiedung des ersten Raumplanungsartikels in der Schweizer Verfassung im Jahr 1969 sollte ein sorgfältiger Umgang mit dem Boden eigentlich Pflicht sein. Und trotzdem scheiterte jede Gesetzgebung an kurzfristigem Profitdenken und fehlendem Willen vonseiten der Politik. So ist es beispielsweise auch im Jahr 2019 immer noch möglich, einstöckige Billigdiscounter auf eine grüne Wiese zu stellen. Die Initiative stellt nun jedoch die entscheidende Ergänzung zum heutigen Raumplanungsgesetz dar.

Für die junge Generation geht es um das Grundsätzliche: Welche Schweiz wollen wir in 30 Jahren? Einen Siedlungsbrei, welcher sich unstrukturiert quer durchs Land zieht? Oder wollen wir uns die Grünflächen, Naherholungsgebiete und die Produktion von lokalen Nahrungsmitteln bewahren? Wollen wir im Schnitt zwei Stunden im Pendlerverkehr verbringen oder wieder dort wohnen können, wo man auch arbeitet? Für mich als junger Mensch ist klar: Ich möchte auch mit meinen Kindern die wunderschöne Schweizer Landschaft entdecken können und nicht in einer Betonwüste alt werden. Schweizerinnen und Schweizer haben es am 10. Februar selbst in der Hand und können mit einem Ja zur Zersiedelungsinitiative dafür sorgen, dass unser Boden bewahrt wird.

Luzian Franzini, Co-Präsident Junge Grüne Schweiz, Zug