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Präsenzuniversität muss Zukunft haben

Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Treiber für Veränderungen in verschiedensten Bereichen, auch im Hochschulwesen. Die rasant fortschreitende Entwicklung der Internet- und Kommunikationstechnologie erhöht nicht nur das Tempo, in dem Forschungsresultate ausgewertet und verbreitet werden. Es ergeben sich dadurch auch Möglichkeiten zum zeit- und ortsunabhängigen Studium. E-Learning, Flipped Classrooms oder Massive Open Online Courses sind bereits heute Teil des universitären Alltags. In dem Masse, wie die Bedeutung virtueller Klassenzimmer zunimmt, verändern sich die Ansprüche an physische Lehr- und Lernräume. An der Universität der Zukunft werden beispielsweise grosse Hörsäle weniger gefragt sein, während andererseits eine exzellente IT-Infrastruktur noch wichtiger sein wird als heute.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Tage der Campusuniversität gezählt sind. Schon heute gibt es Hochschulen, die ihre Investitionen in Bauprojekte aufgrund des technologischen Fortschritts reduzieren. Dennoch habe ich persönlich keinen Zweifel, dass die Präsenzuniversität Zukunft hat. Schliesslich geht der Anspruch der universitären Lehre weit über die reine Informationsvermittlung hinaus. Die Ziele von Wissenschaft und Forschung bestehen auch darin, Selbstreflexion, kritisches Denken und den produktiven Austausch über Disziplinengrenzen hinweg zu fördern. Diese Fähigkeiten profitieren entscheidend von räumlicher Nähe und zwischenmenschlichem Kontakt. Umso mehr, als uns selbst die fähigsten Maschinen (noch) unterlegen sind, wenn es darum geht, innovative Lösungen für ein Problem zu finden. Hinzu kommt: Wissen allein schafft noch keine Erkenntnis. Damit aus elektronisch verfügbaren Daten wissenschaftliche Resultate werden, müssen die verfügbaren Informationen interpretiert und zu aktuellen Fragestellungen in Bezug gesetzt werden. Der Einsatz moderner Medien kann dabei unterstützen, aber den persönlichen Austausch zwischen Forschenden nie ersetzen. Dies hat mir auch meine eigene Tätigkeit als Wissenschaftler und Dozent wiederholt gezeigt.
Eben weil die persönliche Begegnung in vielen Bereichen weiterhin zentral sein wird, investiert die Universität Zürich in ihre technologische, aber auch in ihre räumliche Entwicklung. Mit dem Forum UZH entsteht an der Einmündung der Gloria- in die Rämistrasse ein Bildungs- und Forschungszentrum des 21. Jahrhunderts mit Platz für rund 6500 Studentinnen und Studenten sowie für 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Forum UZH wird Infrastruktur auf dem allerneusten Stand bereitstellen und Raum schaffen für den direkten Kontakt zwischen Forschenden, Studierenden und der Stadtbevölkerung. Das renommierte Architekturbüro Herzog & de Meuron hatte die – im wahrsten Sinne des Wortes – befreiende Idee, einen Teil der Räume in den Sockel des Gebäudes zu verlegen, der sich terrassenartig in den Hang einfügt. Dadurch entsteht inmitten des Hochschulquartiers ein öffentlicher Platz und Begegnungsort. Das Forum UZH schafft damit einen fliessenden Übergang zwischen Akademie und Öffentlichkeit und ist nicht zuletzt Ausdruck des Selbstverständnisses der UZH als Stadtuniversität. Die UZH ist seit ihrer Gründung 1833 in Zürich verwurzelt und steht in einem engen Dialog mit der Zürcher Bevölkerung. Sowohl die Forschung als auch die Gesellschaft profitieren dabei vom gegenseitigen Austausch. Wir sind daher froh und dankbar, uns auch in Zukunft am Puls des städtischen Lebens weiterentwickeln zu können.

Michael O. Hengartner ist Rektor der Universität Zürich, Professor für Molekulare Biologie und Präsident der Schweizer Hochschulrektorenkonferenz Swissuniversities.