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Ein kritischer Blick auf die Landwirtschaft

Die Landwirtschaft und das tägliche Essen geniessen viel Aufmerksamkeit. Voriges Jahr konnten sich die Schweizerinnen und Schweizer zu den Initiativen Fair Food, Ernährungssouveränität und Hornkuh äussern – im Februar wird zur Zersiedelung abgestimmt und nächstes Jahr stehen die Initiativen für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung sowie für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide auf der Agenda. Gleichzeitig läuft die Unterschriftensammlung gegen Massentierhaltung in der Schweiz. Wie kommt das? Haben wir doch extrem strenge Gesetze und Auflagen rund um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. 40 Prozent der eingesetzten Mittel sind biologisch. Unser Trinkwasser ist tadellos und lässt sich überall bedenkenlos trinken. Tierwohlprogramme boomen und die Tierbestände sind im Vergleich zum Ausland winzig. Wir haben über 150 000 Hektaren Biodiversitätsförderflächen. Der Antibiotikaverbrauch hat sich in der Landwirtschaft in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Es gibt wohl kaum ein Land, bei dem das Essen so achtsam und nachhaltig produziert wird wie in der Schweiz. Sicher haben auch wir noch Herausforderungen zu bewältigen, so zum Beispiel bei der Qualität der Oberflächengewässer, beim Ammoniakausstoss oder dem Verlust der Artenvielfalt. Die Landwirtschaft ist bei allen Themen dran: Besserwerden ist ein kontinuierlicher Prozess.

Nur wer richtig zielt, trifft ins Schwarze
Ganz speziell die Trinkwasser-Initiative ist nicht nur extrem, sondern – entgegen dem verführerischen Titel – unsinnig. Sie fokussiert nur auf die Landwirtschaft: Sie will allen Bauernbetrieben die Direktzahlungen streichen, die irgendwelche Pestizide einsetzen oder das Futter für ihre Tiere nicht vollumfänglich auf dem eigenen Hof produzieren können. Auch im Biolandbau braucht es für verschiedene Kulturen (natürliche) Pflanzenschutzmittel, die gemäss Definition auch zu den Pestiziden gehören. Das Trinkwasser ist wie erwähnt einwandfrei. In den Oberflächengewässern hingegen findet man eine ganze Reihe von chemischen Rückständen. Diese stammen zu weniger als der Hälfte von Pflanzenschutzmitteln (Landwirtschaft, private Gärten, SBB). Die Quellen sind vielmehr Putz-, Wasch- oder Desinfektionsmittel, Medikamente, Bau-Chemikalien und Ähnliches mehr aus den Privathaushalten, aus Gewerbe oder Industrie. Hier würde sich nichts ändern. Auch die Futtervorgabe der Trinkwasserinitiative ist nicht zielführend. Wir sind einverstanden, dass wir unser Futter vermehrt im Inland anbauen. Aber es hat nun mal nicht jeder Betrieb genug geeignete Fläche, um zum Beispiel Getreide für sein Geflügel bereitzustellen. Wenn sich die Schweizer Landwirte untereinander aushelfen, ist das doch nicht verwerflich! Kurz und gut, die Trinkwasser-Initiative ist ein gutes Beispiel, wie weit sich die Vorstellung in den Köpfen von der Realität entfernt hat.

Willkommen in der Realität!
Etwas frustrierend ist die «neue» Anspruchshaltung auch, weil sie sich nur in sehr bescheidenem Ausmass im Kaufverhalten widerspiegelt. Umweltschutz und Tierwohl scheinen in der Theorie sehr wichtig zu sein, aber bezahlen will der Konsument offenbar kaum dafür. So hat Coop erst jüngst bekannt gegeben, sein Naturafarm-Tierwohlprogramm zu reduzieren, weil sich die entsprechenden Produkte nicht genügend verkaufen. Trotz viel Werbeaufwand und Engagement vonseiten der Detailhändler verbleibt der Anteil an Bio-Lebensmitteln am Gesamtmarkt bei unter zehn Prozent. Aber wer ein Bio-Land Schweiz will, muss auch Bio kaufen. Es bringt nichts, wenn wir die Schweiz komplett umstellen und die Konsumenten sich dann mit ausländischen Produkten eindecken.

Markus Ritter, ist Präsident des Schweizer Bauernverbands, Biobauer in Altstätten und St. Galler CVP-Nationalrat.