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Markus Wildermuth
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Mein achtsamer Blick:

Markus Wildermuth,
Teamleiter Suchtprävention
Blaues Kreuz Bern

 

 

Ohne Smartphone gehe ich kaum aus dem Haus und ja, auch ich habe dieses Gerät sehr oft plötzlich in der Hand. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich mit 16 Jahren zum ersten Mal ein Nokia nutzte. Die Nokia-Funktionen waren damals doch sehr überschaubar: SMS, Telefon und ein komisches Schlangengame. Zum Datenschutz machte sich noch kaum jemand Gedanken. Nun tragen die meisten Handy-Nutzerinnen und -Nutzer ein Smartphone, vollgepackt mit unzähligen Sensoren, Apps sowie Schnittstellen. Die wichtigste Funktion ist der Zugang zum Internet – ohne läuft fast gar nichts mehr 

Die schier unbegrenzten Möglichkeiten faszinieren auch Kinder und Jugendliche. So erstaunt es nicht, dass laut aktueller JAMES-Studie die selbsteingeschätzte Handynutzungszeit im Jahr 2020, sowohl am Wochenende (plus eine Stunde, 55 Minuten auf rund fünf Stunden) als auch unter der Woche (plus 40 Minuten auf drei Stunden, zehn Minuten) stark angestiegen ist. Vermutlich trägt auch die COVID-Krise zu einer Erhöhung der Bildschirmzeit bei.  

Der Smartphone-Konsum kann dazu führen, dass zu wenig geschlafen wird. Diese Aussage bestätigt zumindest eine Befragung des Blauen Kreuzes Bern-Solothurn-Freiburg bei Oberstufenschülerinnen und -schülern im Alter von 12 bis 17 Jahren. Im Jahr 2020 wurden 974 Schülerinnen und Schüler in schriftlicher Form anonym zu ihrem Smartphone-Konsum befragt.  

Die Ergebnisse zeigen, dass 43.6 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Meinung sind, ihr Smartphone-Konsum führe dazu, dass sie teilweise zu wenig schlafen können. An zweiter Stelle sind es die Hausaufgaben, welche zu 27.5 Prozent den Jugendlichen den Schlaf rauben. Auch Hobbys wie Sporttrainings tragen laut den Befragten dazu bei, dass sie nicht genügend schlafen (16.3 Prozent).  

Dabei ist eine ausreichende Schlafdauer elementar für das eigene Wohlbefinden. Eine aktuelle Studie kommt unter anderem zum Ergebnis, dass Schlafstörungen bei Jugendlichen – mit einer grossen Wahrscheinlichkeit – zu einer schlechteren psychischen Verfassung in späteren Jahren führen werden. Dies kann dann beispielsweise die Entstehung von Depressionen fördern. Die Probanden mit Depression schliefen pro Nacht ungefähr 30 Minuten später ein. Einige davon berichteten von einer stark verschlechterten Schlafqualität und -dauer. Ein gesunder Schlaf muss demnach unbedingt mehr Beachtung finden, um die Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu verbessern. Hingegen sind gerade im Jugendalter kurzzeitige Schlafstörungen noch kein Grund zur Sorge. 

Um die Schlafhygiene zu fördern, sollten Jugendliche zu einer bestimmten Zeit am Abend ihr Smartphone ausserhalb des Zimmers deponieren. Als Wecker dient demnach ein «normaler» Wecker. Diese Massnahme funktioniert auch bei mir als Erwachsener. 

 

*In dieser Rubrik wirft jede Woche eine prominente Persönlichkeit einen achtsamen Blick auf die Schweiz und beschreibt aus ihrer Sicht, was zählt. Diese Meinung muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

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