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Und auf einmal ist alles anders!

Wer hätte vor einem halben Jahr gedacht, dass sich die Welt innerhalb von wenigen Wochen komplett verändern kann? Niemand! Uneingeschränkte Reisetätigkeit, Warenfluss über den ganzen Erdball hinweg und jederzeit volle Regale schienen für alle Ewigkeit in Stein gemeisselt. Und dann das: Grenzen geschlossen, Schulen zu, kaum noch Flugverkehr, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Mobilisierung der Armee, leer gekaufte Regale und vieles mehr, was ausserhalb unserer Vorstellungskraft lag. Ein beklemmendes Gefühl machte sich urplötzlich breit: Sollten wir so Knall auf Fall in der eigenen Entscheidungsfreiheit eingeschränkt werden können? Der Corona-Ausnahmezustand rief uns allen in Erinnerung, was im Leben wirklich wichtig und unverzichtbar ist. Und dazu gehört unter anderem unser tägliches Essen.

Mein Eindruck ist, dass Lebensmittel dank Corona wieder mehr Wertschätzung erfahren – ebenso die regionale Produktion und damit verbunden die einheimischen Bauernfamilien. Das zeigt sich unter anderem daran, dass sich viele Hofläden gerade in den ersten Wochen des Ausnahmezustandes kaum vor Kundinnen und Kunden retten konnten. Eine Umfrage der Hochschule Luzern zu den Verhaltensänderungen durch Corona bestätigt das. Die Befragten gaben dort auch an, dass sie auch in Zukunft mehr bei den Bäuerinnen und Bauern in der Region einkaufen wollen. Ich bin zuversichtlich, dass die einheimische Landwirtschaft viel Goodwill und Zuspruch vonseiten der Bevölkerung gewonnen hat. Die matchentscheidende Frage wird aber sein, wie lange der Effekt anhalten wird und ob sich die Wertschätzung auch in Wertschöpfung für die Landwirtschaft niederschlägt.

Denn: Der Mensch vergisst ja bekanntlich schnell. Umso wichtiger ist es, dass wir Bäuerinnen und Bauern mit vorbildlichem Verhalten mithelfen, den positiven Effekt möglichst weit in die Zukunft zu ziehen. Themen wie Pflanzenschutz, Gewässerqualität oder Tierwohl werden schon bald wieder fixer Bestandteil in den Tageszeitungen sein – und auch die damit verbundenen Forderungen. Die Landwirtschaft darf sich deshalb nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern muss weiter ihre Hausaufgaben machen und stetig besser werden. Wir wollen unsere Ressourceneffizienz steigern und noch tier- und umweltfreundlicher werden!

Auf der anderen Seite würden wir uns wünschen, dass sich die vielen Forderungen der Bevölkerung an ihre Landwirtschaft letztendlich auch im Kaufverhalten widerspiegeln. Umweltschutz und Tierwohl scheinen in der Theorie sehr wichtig zu sein. Dafür zu bezahlen – dazu waren bis jetzt längst nicht alle bereit. Darum: Wenn ich für mich persönlich etwas Positives aus dieser Corona-Ausnahmesituation ziehen kann, dann wohl, dass der Bevölkerung auf einen Schlag wieder bewusst wurde, dass eine Versorgung mit lebenswichtigen Gütern aus dem Inland etwas wert ist!

 

Martin Rufer ist Direktor des Schweizer Bauernverbands.

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