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Also bin ich – die unendliche Vielheit der Identität

Der Duden sagt, Identität sei psychologisch gesehen die als «Selbst» erlebte innere Einheit der Person. Das steht nun aber im krassen Widerspruch zum Titel dieses Artikels, in dem der Identität unendliche Vielheit zugeschrieben wird. Ja was nun? Könnte man vielleicht eine neue Definition wagen? Wie wäre es damit?: Identität ist psychologisch gesehen, die von einer Person angestrebte innere Einheit, die sich zwar aus verschiedensten Wesenheiten zusammensetzt, aber als unzerrissenes «Selbst» erlebt werden kann. Das klingt kompliziert, zugegeben, kommt dem schillernden Begriff wohl aber näher als die Definition im Duden. Identität ist hochkomplex. Das beweisen die vielen Theorien, die sie zu beschreiben versuchen; in der Psychologie, der Kulturwissenschaft, der Philosophie, der Hirnforschung. Manchmal möchte man rufen: «Genau! Endlich verstehe ich mein Bewusstsein!» Immer wieder aber bleibt das Selbst eben doch verworren und unzugänglich. Es folgt der Tanz der Wissenschaften ums Ich.

Teil 1: Die unendliche Vielheit der Identität

Am Anfang steht natürlich Sigmund Freud. Wer kennt nicht die drei Seelen, die gemäss seiner Theorie in jeder Brust sitzen? Das moralische Über-Ich, das uns mahnt, uns an gesellschaftliche und sittliche Vorgaben erinnert, das triebhafte Es, das jedem Verlangen nachgibt, und das vermittelnde Ich, das die Absichten der beiden anderen irgendwie zusammenbringt und uns handeln lässt. Schon bei Freud setzt sich also die Identität aus drei Komponenten zusammen: dem Gewissen, den Trieben und dem eigentlichen Handeln. Oder ist Identität nur das Handeln? Denn unser Handeln ist es schliesslich, das andere an uns wahrnehmen, uns in ihren Augen zu einer einzigartigen Person machen.

Teil 2: Die Selbstverwirklichten

Es war in den 1970er Jahren, als plötzlich ein Wort auftauchte, das andere Wörter im Schlepptau hatte und hinter diesen alle möglichen Ideologien. Das Wort war zerbrechlich und empfindsam. Tapfer reckte es sein fünfsilbiges Raupenkörperchen gegen das autoritäre Menschenbild der Nachkriegszeit. Eindeutig kam es aus der linken Ecke, es hatte mit «68» zu tun, aber den ganz radikalen Klassenkämpfern gefiel es auch nicht, weil es «eskapistisch» war, auf gut deutsch: weltflüchtig. Das eskapistische Wort hiess Selbstverwirklichung. Bald triefte und tropfte es in alle menschlichen Verhältnisse, wurde zum Geist der Zeit – und blieb. Bis heute.

Teil 3: Mein Körper – das bin ich

Der Körper spielt für die Identität bei den meisten Menschen eine besondere Rolle. Doch was, wenn man im falschen Körper steckt, man diesen bewusst oder er sich aufgrund eines Unfalls verändert? Drei Betroffene erzählen.

Teil 4: Das Ich in Zeiten der Patchwork-Identität

Wir haben in der Welt von heute so viele Optionen wie noch nie, wir können auswählen, wer wir sein wollen. Dass es dabei nicht leichter wird, zu einer stabilen Identität zu kommen, liegt fast auf der Hand. Wer sind wir denn, wenn wir alles sein könnten, und das jeden Tag aufs Neue entscheiden müssen? Kein Wunder, dass viele auf der Couch eines Therapeuten nach dem Ich suchen.

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