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Viele Menschen neigen dazu, die positive Selbstbewertung von den Urteilen anderer abhängig zu machen. Das ist ein riskantes Unterfangen, weil dabei oft das Gegenteil dessen resultiert, was man angestrebt hat.

Iris hat ein gutes Herz. Und sie ist auch eine gute Lehrerin, die sich wirklich engagiert, um den Kindern Wissen zu vermitteln. Doch in ihrem Innersten traut sie sich offenbar nicht. Denn sobald Iris auf ein offenes Ohr stösst, neigt sie dazu, ihr Können und ihr Engagement hervorzuheben und andere abzuwerten. «Ich bin die Einzige, die sich so engagiert. Niemand sonst kümmert sich so wie ich darum.» Solche und ähnliche Sätze tauchen in Gesprächen immer wieder auf. Für die Zuhörerin oder den Zuhörer führen sie schnell in die Sackgasse, aus der es kein Entweichen gibt. Denn Iris hat Mühe, Mass zu halten. Man darf ja ruhig ab und zu etwas Dampf ablassen, etwas jammern und sich dabei hervorheben. Aber bei Iris führen die Gespräche früher oder später immer in die Sackgasse, sobald sie ein offenes Ohr findet.

Um den Selbstwert aufrechtzuhalten eignen sich Mitmenschen nur beschränkt. Einen achtsam-freundlichen Umgang muss man in erster Linie selber, für sich persönlich entwickeln. Die positive Selbstbewertung kann nicht bei andern «abgeholt» werden. Im Falle von Iris läuft das nämlich darauf hinaus, dass sie die positive Selbstbewertung andern abringen will und diese dadurch bedrängt. Sie geht zu weit und erreicht damit am Schluss eher das Gegenteil: ein vages Gefühl der Ablehnung.

Wie generiert man positive Selbstbewertung? Indem man etwas Abstand zu sich nimmt und sich selber bewertet. Am einfachsten geht es, wenn man sich ein Thema für einen Tag setzt. Zum Beispiel die Art und Weise wie man Menschen grüsst, wie man auf Fragen reagiert, wie man sich am Telefon verhält. Konzentriert man sich auf ein Thema, fällt es am Abend leicht, eine Bewertung aufzuschreiben. Sie zu notieren ist ganz zentral, weil sich dadurch die Bewertung im Gehirn speichert. Nur was abgespeichert wird, führt langsam eine Veränderung der Selbstwahrnehmung herbei. Die Aufrechterhaltung des Selbstwertes ist auf diese Weise viel effizienter und auch ehrlicher, als beim Versuch, sie bei andern abzuholen. Diese Methode macht nämlich frei und eröffnet die Möglichkeit, ein besserer Mensch zu werden, weil man sich selber unter die Lupe nimmt.

Anton Ladner