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In einem Interview gab ein Glücksforscher auf die Frage, was ihn glücklich mache, eine erstaunliche Antwort. Er sagte, es sei der tägliche Blick in die Agenda, um zu sehen, was konkret anstehe, um den Tag zu strukturieren. Das klingt kaum nach einer Quelle für Glücksgefühle, beinhaltet aber einen ganz zentralen Punkt, der Zufriedenheit generieren kann. Es geht um das Nachdenken. Dabei wird eine Erkenntnis aus Wahrnehmungen, Vorstellungen, Erinnerungen angestrebt. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass viele Leute, die an einem Handy sprechen, hin und her gehen? Wenn sich die Beine bewegen, arbeitet das Hirn besser, die Konzentration erhöht sich. Deshalb lässt sich auch auf dem Weg zur Arbeit, beim Sport oder Spazieren so gut nachdenken. Aber: Der Mensch verfügt nicht über die Fähigkeit, rational zu denken. Alles was er denkt, basiert auf fehlenden oder falschen Informationen, ist von Emotionen eingefärbt. Das spielt aber keine Rolle. Wenn man sich dessen bewusst ist, kann man gut die eigenen Gedanken über sich und sein Leben dem gegenüberstellen, was den allgemeinen Lebenserfahrungen und dem gesellschaftlichen Kontext entspricht. Entscheidend ist der Prozess, der Nachdenken auslöst. Aber was hat das mit Selbstfürsorge zu tun? Vom französischen Philosophen René Descartes gibt es die berühmte Formel: «Ich denke, also bin ich». Descartes nahm diese Aussage als Fundament, um die Erkenntnisfähigkeit rein vernünftig und wissenschaftlich aufzubauen. Bei der Selbstfürsorge geht es – provokativ formuliert – darum: «Ich bin, also denke ich.» Zu oft lässt man aber Gedanken unkontrolliert aufsteigen und wegziehen. Nachdenken im Sinne von Selbstfürsorge erfordert eine gewisse Struktur, ein Thema, zum Beispiel ein Fokussieren auf Beziehungen im engeren Umfeld.

Wie hat man Robert oder Theres gesehen, als man sie kennengelernt hatte? Wie sah man sie in der Hochblüte der Beziehung? Wie sieht man sie heute? Die damals mit Robert und Theres geteilten Meinungen zu diesem und jenem haben sich verändert. Warum eigentlich? Warum mag man nicht mehr, was Theres heute noch ganz toll findet? Denkt man über diese Fragen nach und sucht nach Antworten, werden Veränderungen, eine neue Sicht, kurz eine Entwicklung bewusst. Diese Veränderung muss nicht bewertet werden, es genügt, sie zur Kenntnis zu nehmen. Das kann manchmal sehr befreiend wirken. Etwa festzustellen, dass man damals mit Robert allem Möglichen nachgerannt ist und das heute ziemlich uninteressant findet. Menschen verändern sich über die Jahre, sie sind sich aber darüber oft zu wenig bewusst. Darüber nachzudenken, lohnt sich – immer wieder. Es verbessert den Zugang zu sich selbst und dadurch auch zu andern.