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Nicht Fakten, sondern sinnstiftende Erzählungen bestimmen zunehmend die Wahrnehmung im Wirtschaftsleben. Sei es die Sicherheit der Arbeitsstelle oder die Zukunft der Altersvorsorge. Doch dies belastet das Gefühlsleben. Kognitive Selbstfürsorge schützt davor.

Haben Sie das auch schon gehört? Künstliche Intelligenz macht viele Arbeitsplätze überflüssig. Roboter ersetzen den Menschen in Fertigungshallen. Computerprogramme erstellen verlässlichere Gesundheitsdiagnosen als Ärzte. In Zukunft wird es keine Chauffeure geben. Der Euro wird nicht überleben.

Das sind Narrative, sinnstiftende Erzählungen, deren Inhalte aber auch nach unzähligen Wiederholungen nicht wahrer werden. Robert Shiller, der Wirtschaftsnobelpreisträger von 2013, erforscht die Auswirkungen solcher Narrative. «Negative Gedanken sind ansteckend. Die Ursachen sehe ich aber als Rätsel – so wie sich auch die unterschiedliche Stärke von Grippewellen schwer erklären lässt», sagte er in einem Interview am World Economic Forum in Davos. Er erinnert daran, dass schon in den 1920er-Jahren das Narrativ von der technologisch bedingten Arbeitslosigkeit die Menschen beeindruckte. «Als sie dann aus möglicherweise anderen Gründen tatsächlich stieg, machten die Menschen die Technologie dafür verantwortlich, was zu sinkendem Konsum führte.» Der Konsumrückgang, der damals in den USA 80 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachte, löste dann tatsächlich eine Kündigungswelle aus. «Ich denke, das ist auch heute ein mögliches Risiko: Dass steigende Arbeitslosigkeit automatisch mit Maschinen erklärt wird, die Menschen ersetzen.» Narrative lösen leicht Befürchtungen aus und tangieren die Lebenszuversicht, denn, wie Shiller sagt, negative stecken Gedanken an. Wie kann man sich diesem Mechanismus entziehen? Mit Gegenargumenten.

Als das Fernsehen auf Sendung ging, waren sehr viele Kritiker überzeugt, dass diese Unterhaltungsform zu Gehirnschäden führe (nicht wegen des Sendeinhalts). Wer heute noch diese Meinung vertritt, dem wird ein Gehirnschaden attestiert. Es gab vor 30 Jahren zahlreiche Berichte, dass Mikrowellen das Essen verstrahlen könnten. Als der Erdölpreis im Juli 2008 auf 147 Dollar pro Barrel kletterte, rechneten berühmte Analysten mit einem Preis von 200 Dollar. Als der Erdölpreis ein halbes Jahr später bei 33,7 Dollar angelangt war, wurden noch tiefere Preise angekündigt. Sich solche Beispiele in Erinnerung zu rufen, hilft, von Narrativen bewusst Abstand zu nehmen und nach Gegenargumenten zu suchen, die relativieren. Das macht auch Spass.

Anton Ladner