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Was macht den Mann zum Mann?

Früher, da war es noch einfach. War der Mann bärenstark, beschützte er seine Familie und brachte genug Essen nach Hause – dann war er ein Mann. Heute ist es komplizierter. Die Erwartungen an Männer (und auch an Frauen) sind in den vergangenen 60 Jahren gestiegen.

Mit der Emanzipation der Frauen wandelten sich die Rollenbilder. «Der Macho ist tot – es lebe der neue Mann», so hiess es in den 1980er-Jahren. Feinfühlig sollte er sein, kinderlieb, emotional. Bloss kein Chauvinist, kein Macho.

Das Bild hat sich weiterentwickelt. Heute soll der Mann noch immer friedlich, feinfühlig und kinderlieb sein, aber bitte schön auch durchsetzungsstark und erfolgreich. Er soll seine Frau bei allem unterstützen und sie als gleichwertig sehen, aber dann doch für ein anständiges Einkommen besorgt sein und die schweren Winterräder alleine wechseln. Er muss sich durchsetzen können, aber bitte Platz machen, wenn eine Frau den Posten beansprucht. Er soll den ersten Schritt machen, aber natürlich nur, wenn die Frau auch will. Er soll Familienmensch und Papa sein, aber nur bis zur allfälligen Trennung, wo ihm diese Rollen dann häufig konsequent versagt werden.

Was diese und weitere widersprüchlichen Botschaften bewirken, kann man gut beobachten. Viele junge Männer wirken verunsichert in ihrer Rolle als Mann. Sie flüchten sich in martialische Bilder von sich selbst oder versuchen, möglichst unauffällig allen zu gefallen. Und fragen sich, was sie dürfen, was sie sollen und was von ihnen eigentlich erwartet wird.

Wir wissen viel über die Benachteiligungen von Frauen. Dagegen müssen wir weiter angehen.
Aber auch Männer erfahren Benachteiligungen. Bei der medizinischen Vorsorge werden sie beispielsweise häufig vergessen. Nach langem Hin und Her kommt jetzt eine Miniversion eines Vaterschaftsurlaubes, aber von einer Lösung für Elternzeit sind wir meilenweit entfernt. Noch immer müssen ausschliesslich Männer Dienst am Land leisten. Schlimm sind auch Ungleichheiten im Familienrecht, welche trotz Neuerungen weiterhin bestehen. Wer mit Vätern arbeitet, die nach einer Trennung vom Rechtssystem aus der Familie katapultiert werden und danach den Kontakt zu ihren Kindern verlieren, der merkt schnell, dass hier etwas ziemlich schiefläuft. Sieht man, wie oft Väter im Familienrecht den Kürzeren ziehen, kommt man nicht umhin, Veränderungen anzustreben. Und wer mit Männern zu tun hat, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, weiss, dass spätestens dort die Gesellschaft die Augen endgültig vor den Sorgen der Männer verschliesst.

Es ist an der Zeit, die Rollen der Männer (und der Frauen) neu zu definieren. Mein Vorschlag:
Väter und Mütter sind gemeinsam für die Kinder verantwortlich, unabhängig davon, in welcher Rechtsform die Eltern zueinander stehen. Männer und Frauen tragen gemeinsam zur finanziellen Absicherung der Familie bei.
Männer und Frauen leisten einen Beitrag an den Staat, entweder in Form von Militärdienst oder in einer anderen, gleichwertigen Form.
Männer und Frauen sind gleichwertig, sie haben gleiche Chancen, arbeiten gleich lang und verdienen gleich viel.

Erst wenn wir erkennen, dass wir die Herausforderungen miteinander statt gegeneinander angehen müssen, werden wir langfristig erfolgreich sein.

 

Oliver Hunziker, Präsident des Vereins für elterliche Verantwortung (VeV), Gründer und Präsident der Schweizerischen Vereinigung für gemeinsame Elternschaft (Gecobi) sowie Gründer und Präsident von ZwüscheHalt – Männer- und Väterhaus für gewaltbetroffene Männer.

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