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Zeit, dass die Welt aufwacht

Die Schweiz zählt eine christliche Mehrheit, wer hier lebt, geniesst Religionsfreiheit. Wir vergessen schnell, dass es rund 245 Millionen Christen aller Konfessionen weltweit ganz anders ergeht: etwa den orthodoxen Christen in Syrien und im Irak oder den Kopten in Ägypten und den Katholiken in Pakistan.

Mit dem Aufkommen des IS im Nahen Osten und dem Bekanntwerden seiner Gräueltaten, mit den Berichten über die seit Jahren sich wiederholt ereignenden Massaker in Nigeria und die vielen anderen Übergriffe auf Christen in verschiedenen Teilen der Welt, zuletzt in Sri Lanka und Burkina Faso, scheint in den Medien und in der Gesellschaft das Bewusstsein gewachsen zu sein, dass die Verfolgung von Christen kein isoliertes Ereignis ist, sondern ein Phänomen von dramatischem Ausmass. Meistens werden Christen einzig und allein wegen ihres Glaubens angegriffen. Und nun rüttelt der Zwischenbericht des britischen Aussenministers Jeremy Hunt zusätzlich auf.

In Teilen des Nahen Ostens und Afrikas hat das beträchtliche Ausmass der Gewalt und die erklärte Absicht der Täter, die christliche Gemeinschaft auszurotten, dazu geführt, dass wiederum in England mehrere Parlamentarier zum Schluss gekommen sind, dass es sich um Völkermord nach der UN-Definition handelt. Diese besagt, dass Genozid ein Akt ist, «der mit der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören.»

Der britische Aussenminister Jeremy Hunt verwendet eine ähnliche Formulierung, indem er von «nahe am Genozid-Level» spricht. «Im Westen hat die politische Korrektheit unser Gewissen einschlafen lassen. Nicht zuletzt motiviert durch die Schuldgefühle, die die kolonialistische Vergangenheit im Westen auslöst. Dabei lassen wir ausser Acht, dass Christen, die heute verfolgt werden, nichts mit den Kolonialherren der Vergangenheit zu tun haben», erläutert Hunt.

Etliche dieser Gruppen sind vom Verschwinden bedroht. Der Bericht dokumentiert, dass im Nahen Osten die christliche Bevölkerung von früher 20 Prozent auf mittlerweile fünf Prozent gesunken ist; einst waren der Irak, Syrien und Ägypten christliche Länder.
Auch wir von Open Doors stellen eine wachsende Verfolgung von Christen weltweit fest. Viele Länder verweigern ihren Bürgern das grundlegende Menschenrecht auf Religions- oder Glaubensfreiheit, obwohl sie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen unterzeichnet haben. Unsere Regierung in der Schweiz sollte dies zu einer Priorität in ihren diplomatischen Beziehungen machen und anerkennen, dass Diskriminierung aufgrund von Glaubens- und Religionzugehörigkeit ebenso schwerwiegend ist wie Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, ethnischer Herkunft oder Rasse. Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht und erkennt, dass Verfolgung jeden Tag geschieht. Jeder, unabhängig von seiner Religion, sollte die Freiheit haben, sie ohne Angst auszuüben. Wir von Open Doors beobachten zudem, dass dort, wo sich durch den Einsatz für die Religionsfreiheit Verbesserungen erzielen lassen, diese allen Glaubensgruppen zugutekommen.

Philippe Fonjallaz ist der Leiter von Open Doors Schweiz. Das Werk setzt sich für verfolgte Christen ein und publiziert den jährlichen Weltverfolgungsindex.