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In Kuba hat sich die prekäre Situation im Land durch die COVID-19-Pandemie verschlimmert. Jetzt geht die Bevölkerung auf die Strasse, um ihrem Unmut und ihrer Verzweiflung Luft zu machen. Der Zugang zum Internet spielt bei diesen Demonstrationen eine Schlüsselrolle.

von Hans-Hartwig Blomeier, Ilse Reyes, Laura Philipps

Was als fokussierter und lokaler Protest begann, hat sich mittlerweile über die ganze Insel ausgebreitet und zunehmend das Interesse der Medien und der internationalen Gemeinschaft geweckt. Die San Isidro-Bewegung ist in den letzten Jahren als ein eher gesellschaftspolitischer Protest entstanden, im Gegensatz zu den üblicheren, durch die klassischen politischen Oppositionsgruppen initiierten Protesten.

Dies führte dazu, dass die Bewegung nicht nur innerhalb Kubas, sondern auch international auf Interesse stiess. Der Durchschnittsbürger beteiligte sich historisch gesehen allerdings nicht aktiv an diesen Protesten. Von daher sind die Demonstrationen der letzten Tage so bemerkenswert, da sie ein durchaus neues und anderes Engagement seitens der kubanischen Bevölkerung offenbaren.

Zum ersten Mal seit sechs Jahrzehnten ist zwar der Präsident von Kuba, Miguel Díaz-Canel, kein direktes Mitglied der Castro-Familie. Trotzdem überrascht es nicht, dass mit seinem Amtsantritt keine wesentlichen Änderungen in der Herrschaft des Landes durch das Castro-Regime der letzten 60 Jahre einhergingen. Zu eng waren und sind die Verflechtungen der kommunistischen Partei, der Streitkräfte und auch der Person Díaz-Canel.

Darüber hinaus unterliegt Kuba seit 1958 US-Sanktionen und 1962 wurde schliesslich auch das Handelsembargo verhängt.

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Zaghafte Ansätze, diese Beschränkungen zu lockern, wurden von der Obama-Administration eingeleitet, aber später von der Trump-Administration wieder rückgängig gemacht. Bislang hat Präsident Biden keine konkreten politischen Massnahmen gegenüber Kuba ergriffen, was bedeutet, dass der unter Trump etablierte Status quo vorerst bestehen bleibt. Die Sanktionen wurden von der internationalen Gemeinschaft vielfach, aber nicht einstimmig kritisiert. Erst letzten Monat hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution herausgegeben, in der sie auf die Notwendigkeit drängt, das US-Handelsembargo gegen Kuba zu beenden.

Mobilisierung durchs Internet
Auch wenn sich die externen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren kaum verändert haben, so hat sich doch in Kuba selbst etwas bewegt: Insbesondere haben der breitere Zugang und die Nutzung des Internets sowie anderer Technologien (Social Media) das Leben auf der Insel stark beeinflusst. Kubaner sind immer weniger isoliert von dem, was auf der ganzen Welt passiert, und im gleichen Masse verfügt die internationale Gemeinschaft über mehr Echtzeitinformationen und Einblicke in die politische, wirtschaftliche und soziale Lage des Landes. Dementsprechend konnten immer intensiver auch die Inhaftierungen und Schikanierungen von Oppositionellen des Regimes, die an Friedensdemonstrationen in Kuba beteiligt waren, dokumentiert und publiziert werden.

In diesem Zusammenhang muss der Streik der sogenannten San Isidro-Bewegung (Movimiento San Isidro – MSI) im November letzten Jahres hervorgehoben werden, bei dem die Verhaftung des Rappers und Mitglieds der MSI Denís Solís über Facebook live übertragen wurde. Auch der anschliessende Hungerstreik und die Inhaftierung von 14 anderen MSI-Mitgliedern wurden weltweit übertragen. Diese Ereignisse führten nicht nur zur Beteiligung weiterer grosser Teile der kubanischen Zivilgesellschaft, sondern erregten auch internationale Aufmerksamkeit. Mehrere Organisationen und Regierungen, darunter die US-Regierung, verurteilten die rechtswidrigen Festnahmen und forderten die Achtung der Menschenrechte, insbesondere der Meinungsfreiheit, ein.

Gekürzte Version einer Analyse, die bei der Konrad-Adenauer-Stiftung erschienen ist.

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