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Die ZFV-Unternehmungen lehrten mich, achtsam zu sein!

Mutige Frauen – allen voran Susanna Orelli-Rinderknecht und Nanny Huber-Werdmüller – haben vor 125 Jahren den «Frauenverein für Mässigkeit und Volkswohl», die heutigen ZFV-Unternehmungen, gegründet. Mit der Einrichtung alkoholfreier Kaffeestuben haben sie einen Gegenpol zu den Wirtschaften, Beizen und Spelunken geschaffen, in denen viele Männer ihre Probleme im Alkohol ertränkten, derweil ihre Familien in Not und Elend versanken. In beachtlichem Tempo haben die ZFV-Pionierinnen Restaurants und Hotels aus dem Boden gestampft. Sie gingen mit gesundem Menschenverstand ans Werk und haben ihre Mitarbeiterinnen menschenwürdig behandelt und geschult – und damit die Stellung der Frau im Gastgewerbe verbessert. Ohne den Begriff zu kennen, haben sie die heutige Nachhaltigkeit beispielhaft und ganz selbstverständlich gelebt und ihren Nachkommen Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung gewissermassen auf dem silbernen Servierplateau präsentiert. Sie waren im besten Sinne des Wortes achtsam.

Als ich Mitte 1995 als Quereinsteigerin die Aufgabe übernahm, die trotz visionärer Ausrichtung in Schieflage geratenen ZFV-Unternehmungen zu sanieren und fit für die Zukunft zu machen, konnte ich auf die bewährten Werte der Gründerinnen zurückgreifen, die rasch entstaubt waren. Ich lernte, dass unternehmerisches Handeln einfacher und vor allem wirkungsvoller ist, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von allem Anfang an miteinbezogen werden und Wertschätzung erfahren. Mitarbeiter, die gebraucht werden, entwickeln Freude an ihrer Arbeit und strahlen diese auch aus. Mit anderen Worten: Sie werden achtsam. So entstand mit der Zeit im Unternehmen eine Aura, die ich als «ZFV-Spirit» bezeichnete. Dank dieser positiven Kraft ist es gelungen, das Unternehmen Schritt für Schritt aus den Problemen zu führen, weiterzuentwickeln und ihm eine positive Zukunft zu geben. Erst im Nachhinein habe ich realisiert, dass das «Learning by doing» gepaart mit Offenheit, Mut und Neugier der beste Managementkurs war, den man sich nur wünschen kann!

Im Mai 2019 gab ich die ZFV-Unternehmungen mit gegen 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 300 Millionen Franken altershalber an meine Nachfolgerin Nadja Lang weiter. Bei dieser Übergabe wurde mir bewusst, dass es seit der Gründung des ZFV 1894 – neben allen grossartigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – bloss vier Frauen waren, die das Unternehmen in der Führungsetage massgebend geprägt haben: Susanna Orelli, Marie Hirzel, Rosmarie Michel und meine Person, die je während Jahrzehnten in der Verantwortung standen. Auch dies ist ein wohltuender Gegenpol zur immer schneller drehenden Verschleissspirale von Führungskräften. Die durchschnittliche Verweildauer eines CEOs wird immer kürzer und liegt heute bei durchschnittlich fünf bis sieben Jahren. In dieser Zeit ist es zwar möglich, kurzfristige Gewinnmaximierung zu betreiben, nicht jedoch eine Unternehmenskultur zu etablieren, bei der Achtsamkeit ein gelebter Wert ist. Auch heute noch wacht die Büste von Susanna Orelli über die tägliche Arbeit im ZFV und sorgt dafür, dass der Achtsamkeit die nötige Beachtung geschenkt wird.

Regula Pfister war von 1995 bis 2012 CEO des Zürcher Frauenvereins (ZFV) und wirkte von 2001 bis 2019 als ZFV-Präsidentin. 1995 war der ZFV fast am Boden, heute ist er eine florierende Gastronomiegruppe mit fast 3000 Angestellten.