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Geschrieben in sieben Wochen und ein Welterfolg. Mit 18 Jahren veröffentlichte Françoise Sagan 1954 «Bonjour tristesse» und löste mit ihrem Buch einen Skandal aus. Fünf Jahre später waren bereits zwei Millionen Bücher in 22 Übersetzungen verkauft. Françoise Sagan, die sich nach einer Romanfigur von Marcel Proust nannte, war ein Star, was sie ruinierte. Alkohol, Männer, schnelle Autos, Spielsucht und dann endlos Drogen – sie war geprägt von einem Leben am Limit. Vor ihrem Tod lebte sie völlig verarmt bei Ingrid Mechoulam, einer reichen Erbin, an der Avenue Foche in Paris. Die Abende verbrachten sie oft damit, sich zu betäuben, indem sie masslos tranken. Françoise verstarb 2004 mit 69 Jahren und hinterliess mit Denis Westhoff einen Sohn, der ihre Erbschaft nach Verhandlungen mit dem französischen Finanzminister schliesslich annahm, denn sie bestand – abgesehen von den Rechten an den Büchern – aus 1,5 Millionen Euro Schulden. Seither setzt er sich für eine Wiederentdeckung der Bücher seiner Mutter ein, was ihm mit dem Pariser Verleger Jean-Marc Roberts von Éditions Stock zunehmend gelingt. Grund genug, nochmals nach vielen, vielen Jahren «Bonjour tristesse» zu lesen. Und tatsächlich: Erinnerungen an Gefühle von damals stellen sich ein. Etwa wie man sich mit der Romanfigur Cécile gegen die perfekte, aber gemeine Anne Larsen verbündete. Man erinnert sich, wie man die eingeschworene Tochter-Vater-Beziehung bewunderte. Wie man über die Gelassenheit verblüfft war, mit der das Leben und die Freuden am Körperlichen gelebt wurden. Bei der zweiten Lektüre Jahre später passiert es leicht, dass man nun verblüfft ist über sich selbst, darüber, wie man dies und jenes gut finden konnte. Neue Haltungen haben sich ergeben, die auf Erfahrung und Lebensreife gründen. Ein Buch, das vor vielen Jahren besonders gefallen hatte, nochmals zu lesen, ist somit eine wohltuende Art, sich über die eigenen Veränderungen bewusst zu werden. Schön daran ist, dass dies auf sanfte Weise geschieht. Man wird nicht von aussen bewertet, diese Aufgabe übernimmt ein wohlwollendes Inneres. Und das ist wie eine vergnügliche Reise zu sich selbst. Das Buch danach wieder an die Stelle zurückzustellen, wo es während Jahren stand, weckt ganz besondere Gefühle. Kostbare Gefühle.