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Rita Famos
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Ostermomente entdecken

Haben Sie auch so eine «Wenn Corona endlich vorbei ist, dann …»-Liste? Also ich schon. Und nach einem Jahr Pandemie wird diese immer länger. Endlich wieder laut im Chor singen, mit vielen Freunden auf meine Wahl anstossen, mit meinem Mann im Lieblingsrestaurant essen. Wieder in grosser Gemeinschaft Gottesdienst feiern, jemanden herzlich umarmen, im Schwimmbad Bahnen ziehen. Endlich nicht mehr sich bei jedem Hüsteln fragen: «Hat es mich erwischt?» Endlich wieder … nur wann wird das sein?

Vor einem Jahr hat Corona in unser aller Leben auf die grosse Pausentaste gedrückt. Und wer sich, nach dem ersten Schock, dankbar und gesund ins Home-Office zurückziehen konnte, liebäugelte anfangs nicht selten mit der unverhofften Pause. Entschleunigung in Reinform, endlich Zeit für Unerledigtes.

Aber bald wurde der Stillstand lähmend. Was ist der Mensch, wenn er sich von anderen isolieren muss? Viele von uns verloren geliebte Angehörige an das Virus, kämpfen mit wirtschaftlichen, gesundheitlichen und emotionalen Niederschlägen. Die Zeit läuft weiter, aber die Fülle des Lebens ist angehalten. Stattdessen hofft, bangt, wartet man sich in die Zukunft hinein: Wir ersehnen den Rückgang der Fallzahlen, schrittweise Öffnungen, die Impfung. Doch mit jeder Newsmeldung wird deutlicher: Die Zukunft ist ungewiss, so gerne wir sie uns auch in leuchtenden Farben ausmalen.

Immer noch in diesem Pausenmodus feiern wir dieser Tage das zweite Osterfest in der Pandemie. Ostern: der Protest gegen den Tod. «Christus ist auferstanden!», so rufen wir es uns an jedem Ostermorgen zu und feiern das Leben. Weder Kriege, Hungersnöte oder Pandemien konnten die Botschaft in den letzten 2000 Jahren zum Schweigen bringen. Sie trug jede Generation, nicht nur im Sterben, sondern auch im Leben. Der Gott, der seinen Sohn aus dem Tod auferweckt hat, will auch uns das Leben schenken. Hier, heute.

So will ich mir in diesen Ostertagen eine geistliche Aufmerksamkeitsübung vornehmen: Schaffe ich es, den sorgenvollen Blick in die Zukunft für ein paar lichte Minuten ruhen zu lassen und im Moment anzukommen?

Ich will mich bemühen, die kleinen Osterboten im Alltag zu entdecken. Denn Ostern, Auferstehung, der Aufstand für das Leben, ereignet sich täglich: im Lachen der Kinder auf dem Spielplatz, in der freundlichen Geste meiner Kollegin, im lauten Gesang der Amsel auf dem Baumwipfel.

All dies sind Zeichen der Kraft des Schöpfers, der das Leben aus dem Tod heraus erweckt.

Ostertage
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Ich bin überzeugt: Diese Ostermomente werden mir Zuversicht geben für die grossen Herausforderungen, vor die die momentane Situation uns alle stellt.

Um diese Gedanken und andere Mutmacher zu teilen, haben die Schweizer Kirchen dieser Tage übrigens eine digitale Solidaritätsaktion ins Leben gerufen: Auf www.lichtschenken.ch kann man ein Licht der Hoffnung, des Dankes, der Trauer und der Verbundenheit anzünden und mit einer persönlichen Botschaft für die Schweiz versehen. Für alle, die ebenfalls sehnsüchtig warten, bis sie endlich wieder …

 

Rita Famos ist Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz.

 

 

*In dieser Rubrik wirft jede Woche eine prominente Persönlichkeit einen achtsamen Blick auf die Schweiz und beschreibt aus ihrer Sicht, was zählt. Diese Meinung muss sich nicht mit derjenigen der Redaktion decken.

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