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Von morgen aus gesehen ist heute schon gester. Deshalb solle man manchmal negative Gefühle auf später auslagern Danach sind sie oft weniger schlimm als man anfangs meinte. 

Sicher haben Sie das auch schon erlebt. Sie steigen am Abend deprimiert ins Bett. Ein Problem plagt Sie so, dass Sie keine Lösung mehr sehen. Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll. Alles erscheint ausweglos. Trotz dieser Not haben Sie gut geschlafen und sind am Morgen wieder zuversichtlich. Sie können nicht recht nachvollziehen, warum Sie am Abend so deprimiert waren und alles so schwarzgesehen haben.

Der Psychologieprofessor Thomas Beblo und Mitautor von «Neuropsychologie der Depression» hat nachgewiesen, dass eine Depression die Gedächtnisfunktion verringert. Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit nehmen ab, planerisches Denken setzt aus und die Fähigkeit, Entscheide zu treffen, verringert sich. Das wird als exekutive Dysfunktion bezeichnet, da man in der Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt ist. Der Schlaf erweist sich da als Quelle neuer Lebenskraft. Gläubige Christen sehen darin das Wirken des Heiligen Geistes, Gott haucht Lebenskraft ein, was sich konkret in einem Einfall, einer spontanen Lösungsidee, einem neuen Handlungsansatz manifestieren kann. Manchmal fragt man sich ja schon, woher diese gute Idee gekommen ist, an die man nie gedacht hat und die dann tatsächlich eine Lösung ermöglicht hat. Wie auch immer: Der Schlaf steht für einen Gedankenunterbruch, für eine Pause, damit sich Neues einstellen kann, vielleicht im Traum. Dieser spirituellen Erfahrung kann man sich auch mit einer Selbstverbalisation öffnen. Das ist ganz einfach, man schärft sich ein: «Ich denke jetzt nicht mehr daran. Ich befasse mich erst morgen wieder mit diesem Problem.» Man gönnt sich so eine Pause in der Depression, um sich von der Sogwirkung zu befreien. Natürlich braucht das etwas Willensstärke und Disziplin. Aber man kann tatsächlich schlechte Gefühle auf morgen verschieben. Natürlich in der Hoffnung, dass sie sich dann nicht mehr einstellen, weil man inzwischen seinen Geist für Neues geöffnet hat. Pausen durch Selbstverbalisation können die gleiche Wirkung entfalten wie eine gut durchschlafene Nacht. Das Beste ist eine Kombination. Man gönnt sich eine gute Nacht und erlaubt sich erst nach dieser guten Nacht wieder, das Problem zu wälzen – wenn es dann noch im Ausmass des Vortages besteht.

Anton Ladner