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Schleppnetzfischerei
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Die Schleppnetzfischerei zerstört nicht nur den maritimen Lebensraum, sondern verursacht grössere Emissionen als die globale Luftfahrtindustrie. Hauptverursacher sind China und Russland. Sie setzen mit ihrer aggressiven Fischerei das auf dem Meeresboden gebundene CO2 frei.

von Anton Ladner

Laut einer in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Studie verursachen Boote, die mit Netzen auf dem Meeresboden fischen, eine ähnliche oder sogar grössere Menge an schädlichen Emissionen als die globale Luftfahrtindustrie. Die zivile Luftfahrt ist für zwei Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgase verantwortlich. Unter Verwendung von Satellitendaten ergab die Studie, dass die Schleppnetzfischerei bis 1,5 Gigatonnen Kohlenstoffemissionen pro Jahr verursacht.

Flugzeuge bringen es derweil auf eine Gigatonne pro Jahr. Der grösste Teil dieser Verschmutzung tritt in weniger als vier Prozent aller Meere und Ozeane auf, und zwar entlang der Hoheitsgewässer der Küstennationen. Hauptverursacher ist China, gefolgt von Russland, Italien und Grossbritannien. Bei der Schleppnetzfischerei wird der Meeresboden aufgewühlt. Dort befindet sich laut Forschern jedoch der grösste Kohlenstoff-Speicher der Welt.

«Wenn wir die globale Erwärmung erfolgreich aufhalten wollen, müssen wir den Meeresboden in Ruhe lassen», erklärt Trisha Atwood, Professorin an der Utah State University und Mitautorin der Studie. Die Ozeane machen 70 Prozent der Erdoberfläche aus und spielen eine Schlüsselrolle bei der Aufnahme von Wärme und Kohlendioxid (CO2).

Einmal in die Atmosphäre ab­gesondert, baut sich CO2 im Gegen­satz zu anderen Stoffen nicht selber ab. Frei­gesetztes CO2 wird entweder durch Gewässer physikalisch gespeichert oder durch Grün­pflanzen im Zuge der Foto­synthese abge­baut. Dabei wird mithilfe von Sonnen­licht Kohlen­­dioxid in Glucose und Sauer­stoff umge­wandelt. Der Sauer­stoff gelangt dann wieder an die Umgebung.

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Riesige Kohlenstoffsenke
Seit Beginn der Industrialisierung nehmen die Weltmeere konstant etwa 30 Prozent CO2 pro Jahr auf gemäss zweier Studien der Universität Zürich. Meeresströmungen und Mischungsprozesse verteilen das gelöste CO2 in die Ozeanbecken, wo sich das CO2 mit Karbonat bindet. Deshalb gilt das Tiefenwasser der Ozeane als Kohlenstoffsenke der Erde. Aber das Karbonat nimmt dadurch langsam ab, weshalb in den Tiefen weniger CO2 gebunden werden kann. Das bekommen auch die Meeresbewohner wie die Korallen und viele mehr zu spüren, die Karbonat zur Bildung von Schalen und Skelettstrukturen benötigen. Hinzu kommt noch ein weiterer Störfaktor: je kälter das Wasser, desto besser die CO2-Löslichkeit. Durch die Erwärmung der Weltmeere wird die CO2-Löslichkeit im Wasser zunehmend reduziert.

Die Treibhausgase, dazu gehören neben CO2 Methan und Lachgas, absorbieren einen Teil der von der Erde in das Welt­all abgegebenen Wärme und strahlen sie zurück auf die Erde. Da die Menge an Treibhausgasen stark zugenommen hat, steigt auch der Erwärmungseffekt. Mit einem Verbot der Schleppnetz-Fischerei liesse sich laut der Studie die Freisetzung schädlicher Emissionen erheblich reduzieren und könnten gleichzeitig die Artenvielfalt im Meer sowie die Fischbestände erhöht werden. Die Studie unterstreicht deshalb die Bedeutung der internationalen Initiative zum Schutz von mindestens 30 Prozent der Weltmeere bis 2030. Sie wird auf der UNO-Konferenz zur Biodiversität, bekannt als COP 15, diskutiert werden, die am 17. Mai 2021 im chinesischen Kunming stattfindet.

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