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Wein gilt in der Europäischen Union (EU) als Genussmittel und nicht als Lebensmittel. Das ermöglicht Zusatzstoffe ohne Kennzeichnung. Zum Beispiel Asche von Rindern und Schweinen aus der Tierverbrennung oder Hühnereiweiss zur Klärung des Weines.

von Anton Ladner

Haben Sie auch schon gestaunt, dass veganer Wein im Angebot ist? Wein wird doch aus Trauben hergestellt und müsste somit sicher vegan sein. Tatsächlich darf in der EU Wein nur aus Weintrauben hergestellt werden. Aber dabei dürfen Hilfsmittel verwendet werden, die nicht deklariert werden müssen. Liest man die EU-Verordnung Nr. 606/2009, erfährt man, was da alles an Zusatzstoffen und technischen Hilfsmitteln erlaubt ist. Dies löst mehr als nur ein mulmiges Gefühl aus. Zugelassen sind Hilfsmittel, die von Rindern, Hühnern, Schweinen und Fischen stammen, aber auch Zusatzstoffe wie Erbsenproteine, Sojaproteine und Rübenzucker. Zum Beispiel für die Klärung des Weines nach der Gärung. Mit diesen Substanzen werden die trübenden Elemente herausgefiltert. Für diese Filterung darf Asche von Rindern und Schweinen verwendet werden. Erlaubt sind auch Milch- und Hühnereiweiss oder pflanzliche Eiweisse. Konsumenten haben keine Ahnung davon, weil diese Hilfsmittel nicht deklariert werden müssen. Nur wer als vegan deklarierten Wein kauft, kann davon ausgehen, dass keine Hilfsmittel tierischen Ursprungs bei der Weinproduktion zum Einsatz kamen. Auch eine Bio-Zertifizierung schliesst gewisse Zusatzstoffe aus, was aber immer noch keine Gewissheit über den tatsächlichen Inhalt bietet. Kennzeichnungspflichtig ist Schwefel ab einem Gehalt von zehn Milligramm. Schwefel sorgt dafür, dass der Wein nicht oxidiert. Hühnereiweiss und Milchprodukte müssen hingegen erst ab 25 Milligramm pro Liter deklariert werden, deshalb liest man auf keinem Weinetikett von diesen Hilfsstoffen, die ja nicht gerade die Weintrinkfreude ankurbeln. Laut der EU-Verordnung Nr. 606/2009 ist auch die Beigabe von Zucker erlaubt, um den Alkoholgehalt zu erhöhen. Die insgesamt über 50 zugelassenen Zusatzstoffe und technischen Hilfsmittel kommen vor allem bei billigem Wein zum Einsatz. Haben Sie sich noch nie gefragt, wie es möglich ist, dass eine Flasche Rotwein nur wenige Franken kosten kann, inklusive Ernte, Produktion, Lagerung, Transport, Abgaben, Bewirtschaftung im Laden und Gewinnmarge? Der Produzent, der Zwischenhändler und der Verkäufer wollen ja mit diesem Wein Geld verdienen. Ohne Tricks ist das schlicht nicht möglich. Es überrascht deshalb nicht, dass der Weinkonsum heute häufiger allergische Reaktionen auslöst. Das ist zunehmend der Fall bei Wein, wenn Wein zu Krustentieren getrunken wird. Denn Genussmittel (der Wein) enthalten gleich wie Lebensmittel (Krustentiere) Zusatzstoffe, die dem Aussehen, dem Geschmack und der Haltbarmachung dienen. Die industriell produzierte Zitronensäure mit genetisch veränderten Organismen kann heftige Reaktionen auslösen. Sie wird dem Wein beigefügt, um den Säuregehalt der Trauben zu erhöhen, wenn das Wetter sehr warm war. Wer sich nicht auf solche «Genussabenteuer» einlassen möchte, sollte auf Billigwein aus dem Grosshandel verzichten und Wein mit einer klaren Herkunftsidentität konsumieren.

In der Schweiz gibt Anhang 9 der Verordnung über Getränke vom Dezember 2016 darüber Aufschluss, wie viel wovon im Wein erlaubt ist. Die Liste ist lang: «Speisegelatine, Proteine pflanzlichen Ursprungs aus Weizen, Erbsen oder Kartoffeln, Hausenblase, Kasein und Kaliumkaseinate, Eieralbumin, Bentonit, Siliziumdioxid in Form von Gel oder kolloidaler Lösung, Kaolinerde, Tannin, aus Aspergillus niger gewonnenes Chitosan, aus Apergillus niger gewonnenes Chitin-Glucan, Hefeproteinextrakte.» Diese Stoffe dienen alle der Klärung des Weins. Entsäuern darf man den Wein in der Schweiz derweil mit folgenden Stoffen: Neutrales Kaliumtartrat, Kaliumbicarbonat, Kalziumcarbonat, Kalziumtartrat. Hat der Wein Probleme, sind auch Hilfsmittel zur Rettung erlaubt. Hierzu steht in Anhang 9: «Verwendung von Kupfersulfat oder Kupfercitrat zur Beseitigung eines geschmacklichen oder geruchlichen Mangels des Weines.» Oder: «Zusatz von Dimethyldicarbonat (DMDC) zu Wein, um seine mikrobiologische Stabilisierung zu gewährleisten», «Verwendung von Polyvinylimidazol-/Polyvinylpolypyrrolidon-Copolymeren (PVI/PVP) zur Senkung des Kupfer-, Eisen- und Schwermetallgehalts» und «Anwendung von Gold und/oder Silber, nur bei Schaumwein und Perlwein». Prost!