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Es gibt immer wieder Momente im Leben, in denen man nicht zuhören möchte. Das sind Umstände, in denen man keine Energie hat, um Einfühlungsvermögen zu aktivieren.

Viele Menschen meinen, sofort immer für andere da sein zu müssen. Zum Wohlbefinden seiner Umgebung beizutragen, kann erfüllend sein. Das eröffnet neue Perspektiven, kann begeistern und bereichern. Doch bei manchen sozialen Kontakten ist die Gefahr gross, persönlich auf der Strecke zu bleiben. Denn ab einem gewissen Punkt stellt sich immer die Frage, ob man über genug Energie verfügt, um jemandem zuzuhören. Oft liegt der Grund im Verlauf des Gespräches, der zu einer gewissen Erschöpfung oder Leere führt. Dann empfiehlt sich eine Pause. Die kann man sich zu jeder Zeit mit einem Gang zur Toilette nehmen. Dort kann man schnell und effektiv die eigenen Gefühle ergründen. Sich fragen, was man nicht mehr möchte, worauf man jetzt Lust hätte. Damit übernimmt man das Ruder in einer Situation, die langsam belastend wird. Es kann bereits helfen, Klarheit darüber gewonnen zu haben, was nicht mehr stimmt. Selbstempathie hat nämlich eine grössere Ventilwirkung, als man denkt. Mit andern Worten: Seine Gefühle wahrzunehmen und sie auch ernst zu nehmen, hat eine entlastende Wirkung und führt zu einem Ausweg. Zum Beispiel: Man gibt dem Gespräch eine neue Wendung, indem man Gegenrecht einfordert und verlangt, ebenfalls angehört zu werden. Oder man bricht aus der Rolle des Zuhörenden aus, wodurch die Gesprächsdynamik zusammensackt, was einen Aufbruch erleichtert. Oder man räumt sich einfach erste Priorität ein und erklärt, man müsse nun dies oder jenes erledigen, weil man sonst nicht in Ruhe schlafen könne. Es gibt immer Dinge, die auf eine Erledigung warten, was gute Gefühle generiert. Dem eine höhere Priorität beizumessen ist legitim. Empathie und Anteilnahme sind nur dann hilfreich, wenn sie mit Freude gegeben werden. Steigt jedoch das Gefühl auf, dabei zu kurz zu kommen, ist es höchste Zeit, sich zur Selbstempathie hinzuwenden, sich mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Man ist schnell ausgelaugt und auch enttäuscht, wenn man sich in der Zuwendung für andere überfordert, weil man dabei die eigenen Bedürfnisse nicht oder zu wenig ernst nimmt. Selbstempathie ist deshalb eine gute Grundlage, um mit Empathie hilfreich zu sein.

Anton Ladner