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Die Selbstoptimierung steht heute im Mittelpunkt: sei es im Beruf, in der Freizeit, in der Beziehung. Das kann jedoch zu einem egozentrischen Blick aufs Leben führen. Ein Ausgleich dazu ist notwendig, weil sonst eine Selbsttorpedierung droht.

 Schon in Goethes Faust wurde von der Selbstoptimierung aus eigener Kraft geträumt: Kein persönlicher Gott mehr, keine Konfession, keine Glaubensgemeinschaft, keine Kirche, keine damit verbundene sittliche Weltordnung – aber das Gefühl einer Allheit und Allverbundenheit. Je nach Leseart klingt das nach Omnipotenzwahn, nach der Überzeugung, dass dem Menschen alles gelingt. Wir kennen das von kleinen Kindern. Wenn sie die Augen schliessen, sind sie überzeugt, unsichtbar zu werden. Als beispielsweise vor vielen Jahren ein kleiner Junge in Luzern auf der Kapellbrücke hinfiel und sie kurz danach renoviert wurde, war der Knabe überzeugt, das sei die Folge seines Sturzes. Doch das Leben ist nicht nur bei Kindern anders, als es erscheint. Wenn der Glaube an die eigene Selbstoptimierung zunimmt, während der Glaube an Kirche und Gott schrumpft, woher kommen dann spirituelle Impulse, die weiterführen? Um das Seelenheil des Menschen ringen heute neben den Kirchen viele andere Anbieter. Psychiater und Psychologen mit über 300 Therapieformen, Personal Trainer, Fitnesscenter, Wellness-Institute, Medical-Care-Hotels, Yogastudios. Der «Sinnmarkt» hat auch die Ernährungsform erreicht: bio, vegetarisch, vegan, flexitarisch, Intervallfasten – Varianten, die sich für viele zu Glaubensrichtungen formen. Auch die Mobilität ist inzwischen vom «Sinnmarkt» erfasst: Flugverzicht, E-Mobilität, Carsharing – Optionen, die zum Massstab für einen ethischen Lebensstil werden. Diese Art von Selbstoptimierung ist heute für viele und wohl immer mehr die Spiritualität des modernen Lebens. Sie zielt darauf ab, das persönliche Lebensgefühl und die eigene Identität durch Verantwortung für die Mitmenschen aufzuwerten. Spiritualität durch Anteilnahme. Verharrt die Selbstoptimierung jedoch in der Nabelschau (mehr Freizeitvergnügen, bessere Figur, schönere Kleider, mehr Spass), wird sie früher oder später zu einer Selbsttorpedierung. Denn das Geheimnis der Spiritualität besteht darin, die innere Wahrheit in sich zu finden und zu stärken, indem der Lebenssinn ausserhalb des eigenen Ich gefunden wird.