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Die Corona-Krise zwingt dazu, soziale Kontakte erheblich zu reduzieren. Das macht deutlich, wie wertvoll Begegnungen und Gespräche sind und wie sie fehlen, wenn sie unterlassen werden müssen. Dadurch wird eine soziale Selbstfürsorge umso wichtiger.

Christiane Woppe ist als Philosophin und Medizinerin die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates. In einem Interview mit dem Spiegel sagte sie: «Wir erleben ein Wegbrechen von Strukturen, die uns ansonsten Sicherheit vermitteln, auf ganz vielen Ebenen, jeder Einzelne in seinem alltäglichen Leben, als ganze Gesellschaft und auch global.» Dies fordere von allen Menschen eine erhebliche Kreativität und Widerstandskraft. Die Ethikerin glaubt aber auch, dass im erzwungenen Rückzug ins Private auch viel Positives und Kreatives an Unterstützung und Zuwendung entstehe. «Die äussere Begrenzung geht mit innerer Öffnung einher.»

Entscheidend sind somit für die kommenden Wochen die Widerstandskraft, reduzierte oder gar gänzlich fehlende Sozialkontakte auszuhalten, und die Kreativität, das Fehlende mit innerem Reichtum zu kompensieren. Natürlich kann man sich vor den Fernseher setzen, die neusten Entwicklungen in der Corona-Krise verfolgen, sich von Filmen unterhalten und von Krimis ablenken lassen. Aber da fehlt die Herzenswärme, die soziale Kontakte auslösen. Das Zwischenmenschliche eben. Deshalb ist soziale Selbstfürsorge gefordert, damit sich die sozialen Batterien nicht entladen. Wie geht das konkret? Indem man Freunden oder Bekannten schreibt. Besonders ergiebig ist, wenn man schon lange von ihr oder ihm nichts mehr gehört hat. Ob per Mail oder Brief, spielt keine Rolle. Sobald man sich nämlich schreibend an einen Menschen richtet, kommt etwas zum Fliessen, was guttut. Das Gleiche ereignet sich nochmals bei der Empfängerin oder beim Empfänger bei der Lektüre. Auch ein schriftlicher Austausch tut gut. Es müssen keine philosophischen Abhandlungen sein, keine Reportagen über das aktuelle Leben. Kleine Erfahrungen, kurze Gedanken genügen bereits. Viele Menschen sehen im Schreiben ein grosses Unterfangen, für das man sich aufrüsten muss, weil man eine hohe Schwelle vor Augen hat, die es zu überwinden gilt. Angst vor Fehlern, vor krummen Formulierungen führt zu Leistungsdruck, der blockiert – unnötig. Denn jeder, der ein paar Zeilen bekommt, freut sich darüber und schaut über Fehler hinweg. Das bestätigt jede Erfahrung.