Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Empfindliche Menschen gelten im sozialen Umfeld oft als sensibel und deshalb schwierig. Echt sensible Menschen sind jedoch das Gegenteil davon. Denn nur wer seine Sensibilität unterdrückt, um hinter einem Schutzschild zu leben, wird unangenehm dünnhäutig.

von Anton Ladner

Sensible Menschen haben die Gabe, Gefühle und äussere Reize stärker wahrzunehmen als andere Menschen. Sie haben irgendwie bessere Antennen und fangen Signale auf, die andere noch gar nicht wahrnehmen. Deshalb wird heute Sensibilität oft mit emotionaler Intelligenz gleichgesetzt. Sensible Menschen verfügen auch über einen guten Draht zu sich. Deshalb können sie in sich hineinhorchen und sich auch betrachten. In diesem Fall geht Sensibilität Hand in Hand mit Achtsamkeit und Selbsterkenntnis.

Wer in diesem Dreieck lebt, macht die Erfahrung, dass im sozialen Umfeld dadurch kein Schutzschild fehlt, sondern schützende Freiheit entsteht. Vor allem dann, wenn man ehrlich mit sich selber ist und seine Emotionen genau benennt. Untersuchungen haben gezeigt: Klarheit über eigene Emotionen verändert die Gehirnströme, wie bei buddhistischen Mönchen. Dann fällt es auch leichter, im Hier und Jetzt zu leben. Viele Menschen erliegen jedoch dem Irrtum, eigene Sensibilitäten offen zu leben lasse sie schwach und angreifbar erscheinen. Sie flüchten sich deshalb in eine gespielte Stärke, übergehen Probleme, ignorieren Defizite und kommen dabei arg zu kurz.

Man glaubt es kaum: Verdrängte Sensibilität führt zu sonderbarem Verhalten: Anschwärzungen, Kritik, beleidigtes Verhalten und Vorwürfe. Und schnell gelten dann die Verdränger als besonders sensibel. In Wahrheit sind sie aber empfindlich und aufgerieben, weil sie ihre Sensibilität unterdrücken. Ihre Angriffe sind entschlüsselt nur Verteidigungen, um das schädliche Lebensmuster aufrechtzuerhalten. Denn sie sehen hinter ihrem Schutzschild in fast jedem Gegenüber eine Bedrohung. Das macht sehr dünnhäutig.

Jeder Mensch sehnt sich nach sozialem Kontakt, bei dem er Annahme und Anerkennung erfährt. Sensible Menschen suchen nach Möglichkeiten, dieses Bedürfnis gut abzudecken. Sensibilitäts-Verdränger verirren sich dabei leicht in Aggression, Hass und Provokation und verlieren so den Zugang zu sich selber. Die Vereinigten Staaten vor den Präsidentschaftswahlen bieten derzeit erschreckende Beispiele, was dabei herauskommt.

Share This