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Kampf den Zweifeln, die Wissenschaftsleugner säen

Wenn die Wissenschaft Weltbilder bedroht, sind ihre Leugner schnell zur Stelle. Ein Überblick über beliebte rhetorische Tricks und Vernebelungstaktiken:

Eigentlich liebt die Politik die Wissenschaften. Gerne greifen politische Akteure auf wissenschaftliche Studien, Forschungsergebnisse oder Expertenmeinungen zurück, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Aber wehe, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse dem eigenen Weltbild zuwiderlaufen. Dann ist es aus mit der Liebe.

Schnell wird der Vorwurf laut, die unbequemen wissenschaftlichen Ergebnisse seien «politisch motiviert» oder sogar «gekauft». So werfen die Leugner des Klimawandels der Wissenschaft «ideologische Verblendung» vor, während radikale Impfgegner reflexartig behaupten, die biomedizinische Forschung stecke in der Tasche von «Big Pharma». Was sie dabei ausblenden (wollen): Sowohl die Existenz der menschengemachten Klimaerwärmung wie auch die Nützlichkeit von Impfungen wurde von unzähligen unabhängigen Forschenden bestätigt.

Ebenfalls beliebt ist die Taktik, innerwissenschaftliche Diskussionen massiv zu übertreiben oder sogar zu erfinden. Die Botschaft, die in den Köpfen der Bevölkerung hängen bleiben soll, lautet: «Seht her, die Forschenden sind sich ja selber uneinig!»

So vermitteln Gegner der Grünen Gentechnik gerne den Eindruck, als sei die Technologie auch innerhalb der Forschungsgemeinschaft höchst umstritten. Dabei hat sich längst der Konsens herausgebildet, dass die Gentechnik nicht gefährlicher ist für Mensch und Umwelt als konventionelle Zuchtmethoden. Denn nicht die Art der Zucht, sondern die Art des Gezüchteten ist entscheidend für die Einschätzung des Risikos.

Am hinterhältigsten ist wohl der Versuch, den wissenschaftlichen Konsens mit der Forderung nach «mehr Forschung» zu untergraben. In Bayern hat das Parlament jüngst beschlossen, homöopathische Mittel als Alternative zu Antibiotika zu untersuchen. Damit wird der Eindruck erweckt, dass die homöopathischen «Globuli» eine ernst zu nehmende Behandlungsmöglichkeit bei bakteriellen Infektionen seien.

Doch es wurde bereits hinlänglich gezeigt, dass die Homöopathie keine Wirkung hat, die über den Placebo-Effekt hinausgeht. Eine Blutvergiftung lässt sich damit genauso wenig kurieren wie Tuberkulose oder Borreliose. Wenn sich Menschen bei solchen Krankheiten mit Zuckerkugeln statt echten Wirkstoffen behandeln lassen, setzen sie ihr Leben aufs Spiel.

Wenn gar nichts mehr hilft, flüchten sich Wissenschaftsleugner gerne in den Allgemeinplatz, dass Wissenschaft doch ständig zweifeln müsse und es deshalb falsch sei, sich auf den wissenschaftlichen Konsens zu verlassen. Man stelle ja nur Fragen und tue damit das, was «richtige» Wissenschaftler ausmachen würde.

Doch seriöse Forschende zweifeln nicht ins Blaue hinaus, sondern müssen für berechtigte Zweifel schlüssige Argumente und – wenn es sich um empirische Fragen handelt – auch Daten liefern, welche von ihren Fachkolleginnen und -kollegen begutachtet werden können. Das unterscheidet wissenschaftliche Zweifler von politisch motivierten Säern des Zweifels.

 

Servan Grüninger ist Biostatistiker und Präsident von «reatch», einer unabhängigen Ideenschmiede, welche die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft stärken will (www.reatch.ch).