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Die Corona-Krise zeigt, wie sinnvoll gewisse Berufe sind, aber auch, wie sinnlos andere. Wie man sich verhalten könnte, wenn man eine wenig sinnstiftende Arbeit hat, die im Home-Office noch langweiliger erscheint.

von Anton Ladner

Nennen wir ihn Beat. Auf seiner Visitenkarte hat die Berufsbezeichnung eine beeindruckende Länge. Doch seine effektive Arbeit in der Fondsabteilung einer Grossbank ist bedeutend weniger spektakulär als das, was auf seiner Geschäftskarte steht. Er generiert Kursbewegungen, stimmt ab und überprüft für institutionelle Anleger. Reiner Nachvollzug, null Kreativität, ohne persönliche Gestaltungsmöglichkeit. Aber Beat ist eine enorme günstige Hypothek der Bank, praktisch zum Nulltarif, und die Bank zahlt einen Bonus von drei Monatslöhnen.

 

Beat kompensiert die Eintönigkeit seiner Aufgabe mit Gesprächen in der Kaffeeküche über seine Lieblingsbeschäftigung. Ehrenamtliche Aufgabenhilfe in einem schwierigen Quartier. Da gibt es immer lustige Geschichten und freudige Entwicklungen. Doch derzeit arbeitet Beat wieder im Home-Office – allein mit seiner wenig sinnstiftenden Arbeit. Beat weiss schon lange, dass er einen Job hat, der ihn nicht ausfüllt und wenig Sinn macht. Ihn halten die guten Konditionen bei der Bank. Und mit seiner Ausbildung kommt er ohnehin nur in der Finanzbranche unter, denn mutig für etwas ganz Neues ist er nicht.

 

Um sich gegen eine Krankheit aus lauter Stumpfsinn (Bore-out und dann Burn-out) zu schützen, tankt er in seiner Aufgabenhilfe auf. Lange vor Corona lebte er energetisch ganz für diese ehrenamtliche Aufgabe, die aus einem Netz von Freiwilligen besteht, die er auch koordiniert, betreut und motiviert. Zudem hat er ein Erfolgskontrollsystem für die Schülerinnen und Schüler aufgebaut, um sie bei der Stange zu halten.

 

Ja, es gibt viele wenig sinnstiftende Jobs, besonders in der Finanzindustrie. Sie werden im Home-Office besonders langweilig, weil die Kolleginnen und Kollegen in der Kaffeeküche fehlen. Dann wird ein «spiritueller Ausgleich» überlebensnotwendig. Eine Yoga-Kurs, um mehr Ruhe zu gewinnen, eine humanitäre Aufgabe, um Anteil zu nehmen, ein Parteibeitritt, um für eine Sache zu kämpfen. Was auch immer, bei allem geht es darum, in etwas aufzugehen, sich ein wenig «zu verschenken». Hingabe erschliesst nämlich tiefe Gefühle. Das stimmt zufrieden und relativiert die stark empfundene Stumpfsinnigkeit der eigenen Arbeit.

 

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