Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch
  • Facebook
  • Twitter

Das blutige Gold wird in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara abgebaut und zu 95 Prozent nach Dubai geschafft. In der totalitären Monarchie, die viele Europäer im Winter als Feriendestination feiern, werden die blutigen Spuren beseitigt. Aus dem Blutgold wird mitunter netter Schmuck für Touristen.

von Axel Amweg

Gold ist als Zahlungsmittel bei bewaffneten Gruppen und kriminellen Kartellen besonders beliebt. Es kann leicht in grossen Mengen geschmuggelt werden, die Herkunft lässt sich mit Schmelzen leicht verschleiern und es ist in der Natur zu finden. Deshalb entstanden in Konflikt- und Hochrisikogebieten viele einfache Minen, in denen auch Kinder unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten. Jedes Jahr wird in den Kriegsregionen Kongo, Südsudan, Sudan und Zentralafrikanische Republik Gold im Wert von mehr als drei Milliarden Dollar gefördert und illegal exportiert. Das Gold gelangt über Uganda, Ruanda, Kamerun, Kenia, Tschad oder Burundi nach Dubai. Dort hat sich in den letzten 20 Jahren eines der grössten Goldhandelszentren der Welt entwickelt. 95 Prozent des illegal gewonnenen Goldes südlich der Sahara wird in Dubai gehandelt.

 

Der US-Schauspieler George Clooney finanzierte eine Untersuchungsgruppe, die sich aus Finanzanalysten, Menschenrechtsanwälten, Regionalexperten, ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern, investigativen Journalisten und Bankfachleuten zusammensetzt, um den Weg des Blutgoldes zu dokumentieren. Ziel ist es, diejenigen aus dem Finanzsystem zu eliminieren, die von der Gewalt und dem Leid ganzer Bevölkerungen in Ost- und Zentralafrika, das schlimmste Kriegsgebiet seit dem Zweiten Weltkrieg, profitieren. Das Projekt «The Sentry» wurde von George Clooney und John Prendergast ins Leben gerufen und ist ein strategischer Partner der Clooney Foundation for Justice.

 

Die Problematik des Blutgoldes hat auch die FATF, Financial Action Task Force, die 1989 auf Initiative der G7 zur Bekämpfung der Geldwäsche gegründet wurde, auf ihrem Radar. Ebenso die OECD und Verbände der Goldindustrie. Doch eine Reihe von Gesetzeslücken sowie die Mängel der Anti-Geldwäsche- und Anti-Terrorismus-Regelungen der Arabischen Emirate haben den illegalen Goldhandel florieren lassen.

 

19 Millionen Menschen arbeiten in afrikanischen Goldminen, darunter befinden sich viele Frauen und Kinder. Kinder sind besser geeignet, in schmale Tunnel zu kriechen. Im Osten von Kongo kontrollieren bewaffnete Gruppen über 70 Prozent der Minen. In der Zentralafrikanischen Republik, wo die Goldproduktion auf 5,7 Tonnen pro Jahr gestiegen ist, kontrollieren 27 bewaffnete Gruppen die Minen mit dem Einverständnis der Behörde. 90 Prozent der Produktion werden illegal aus dem Land geschmuggelt.

 

Die sudanesische Regierung schätzt die jährliche Goldproduktion im Jahr 2018 auf 93 Tonnen, was das Land zum drittgrössten Goldproduzenten Afrikas machen würde. Aber ein Grossteil dieses Goldes wird illegal exportiert und trägt den Stempel der Gewalt: Die Sudan-Abdul-Wahid-Befreiungsarmee und die nordsudanesische Volksbefreiungsbewegung finanzieren sich mit illegalen Goldgeschäften. Im Südsudan haben zwei der wichtigsten bewaffneten Gruppen, die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung und die Nationale Heilsfront, der UNO bestätigt, sich in gleicher Weise zu finanzieren. Das ist jedoch nur möglich, indem Dubai aus diesen Ländern bedeutend mehr Gold kauft, als diese Staaten als Export deklarieren.

 

So hat der Sudan zwischen 2010 und 2014 offiziell 152 Tonnen Gold nach Dubai exportiert, während Dubai im gleichen Zeitraum 248 Tonnen Gold aus dem Sudan importierte. Unterschiedliche Preise und unterschiedliche Steuern fördern die Illegalität. Zum Beispiel besteuert die Demokratische Republik Kongo den Goldexport mit neun bis 13 Prozent, während Uganda und Ruanda eine Exportsteuer von 0 bzw. 0,5 Prozent erheben. In diesen Ländern sind auch Raffinerien in Betrieb genommen worden, die Gold aus verschiedenen Quellen schmelzen, sodass es schwierig wird, die Herkunft zurückzuverfolgen. Und Grenzkontrollen (Gold wird per Auto oder Flugzeug geschmuggelt) werden durch Bestechung oder Bedrohung der Beamten umgangen.

 

Dubai ist so zur Drehscheibe von illegalem Gold mit Blutspuren geworden. Vom Dubai Gold Souk, der Hauptmarkt, geht Gold in den Nahen Osten, nach Indien und China. Im vergangenen Jahr einigten sich die Emirate nach einem Treffen zwischen kongolesischen Behörden, UNO-Experten und Kuwait auf neue Massnahmen für die Kontrolle von Barren, die als Handgepäck transportiert werden. Bis heute sind sie aber nicht umgesetzt worden, ebenso wenig wie der Nachweis der Herkunft und der Bezahlung von Gold. Alles blieb beim Alten. Trotz der grossen Menge an importiertem Gold erlauben die Emirate weiterhin Transaktionen in bar oder durch Tausch, was die Rückverfolgbarkeit untergräbt.

 

Neun der elf in Dubai tätigen Goldraffinerien haben eine unabhängige Überprüfung nicht bestanden, obwohl viele von ihnen über einen Verhaltenskodex verfügen, der den Kauf von Gold aus Kriegsgebieten verbietet. Die Kaloti Jewellery Group kauft Edelmetall von Personen, die laut der US-Antidrogen-Agentur der Geldwäscherei verdächtigt werden. Die Kaloti Jewellery Group zahlt jeweils in bar. Das Projekt «The Sentry» von George Clooney hat eine Reihe von Empfehlungen abgegeben: Die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate müsse die rechtlichen Schlupflöcher beseitigen, die den Handel mit Gold, das Konflikte nähre, ermöglichen würden. Die Regierungen der USA und der EU sowie die Hauptakteure der Goldindustrie müssten von den Behörden in Dubai einen Zahlungsnachweis für importiertes Gold verlangen können; Goldraffinerien und Schmuckhersteller müssten maximale Kontrolle über ihre Lieferanten ausüben.

 

Share This