Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Mit jemanden ins Gespräch zu kommen hilft, Druck und Belastungen zu reduzieren, auch wenn dabei keine tiefgreifenden Fragen erörtert werden. Denn auch in einem banalen Austausch relativieren sich negative Gefühle schnell. Das schont Körper und Seele.

Ob im Zug, in einem gut besetzten Café oder in der Sauna: Es gibt immer zwei Optionen. Man setzt sich wortlos hin und ignoriert die Umgebung. Oder man grüsst in die Runde und setzt sich dazu, bereit, Kontakt aufzunehmen. Oft wählt man die erste Option, weil sie einfacher und angenehmer erscheint. Man verspricht sich das optimale Wohl davon, wenn man in Ruhe gelassen wird. Doch das ist ein Trugschluss. Freundlichkeit überträgt sich leicht, und so kommt es zu einem Austausch über das Wetter, die Anzahl der Besucher oder über sonst etwas Belangloses. Einfach weil es guttut. Denn der Mensch, ob er es sich eingesteht oder nicht, fühlt sich unter Menschen im Kontakt mit Menschen am wohlsten. Zwanglose wie zweckfreie Unterhaltungen sind ein Vergnügen, weil sich – so zeigen Untersuchungen – ein Individuum dann mit der Gesellschaft als eins empfindet. Man nimmt das Gegenüber so, wie es ist, wie es sich darstellt und lässt geschehen, was geschieht. Es gibt von beiden Seiten Beifall und Respekt, man nimmt Übertreibungen gelassen hin und übt Toleranz. Das führt zu einer Synchronisierung, die entspannt und wohltut. Denn hier geht es nicht um die Vertiefung von Sachfragen, um den Kern der Wahrheit, sondern nur um soziale Anregung, die stimuliert. Der deutsche Philosoph und Soziologe Georg Simmel war vor über 100 Jahren schon der Meinung, dass Gesellschaftliches zum grossen Teil aus flüchtigen und zufälligen Wechselwirkungen zwischen den Individuen – unabhängig von deren positiven oder negativen Emotionen – entsteht. So entwickle sich das Wissen voneinander auf der Basis der jeweiligen Wechselwirkungen und umgekehrt. Das Grosse findet somit nicht irgendwo statt, wo man nicht ist, sondern vor allem im Kleinen, wo man gerade steckt. Deshalb sollte man jede Gelegenheit ergreifen, ins Gespräch zu kommen, gleichgültig wo man gerade ist, ob im Zug, in einem gut besetzten Café oder in der Sauna. Ein kleiner, kurzer Austausch genügt bereits, um das gute entspannende Gefühl zu generieren.

Anton Ladner