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Vor 100 Jahren wurde der russische Geheimdienst begründet. Er hat unter dem Namen INO, INU, KGB und SWR immer wieder für Schrecken gesorgt. Der jüngste Fall ist die Vergiftung des russischen Oppositionellen Alexei Nawalny. Dem Geheimdienst ging es dabei immer darum, «Bedrohungen» für den Staat abzuwehren. 

von Anton Ladner 

Am Anfang stand der Kampf gegen Kontrarevolutionäre. Felix Dscherschinski gründete deshalb 1920 in Moskau die Abteilung für Auslandsaufklärung (INO). Mit Spionage sollten die Bedrohungen, die von Exilrussen ausgingen, erfasst und bekämpft werden. Der heutige Auslandsgeheimdienst sieht sich als direkte Nachfolgeorganisation und hat das Jubiläum mit Präsident Wladimir Putin entsprechend gefeiert. Das dokumentiert, dass es in der russischen Spionage eine grosse Konstante gibt. Die Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen 2016 war nichts Neues, sondern das Übliche mit neuen Instrumenten.

Und wer heute beim SWR in Führungsposition dient, war schon beim KGB in leitender Funktion.  1941 wurde aus dem INO das Volkskommissariat für Staatssicherheit (INU). Dann löste das Komitee für Staatssicherheit KGB 1954 den INU als In- und Auslandsgeheimdienst ab. Nach 1991 ging der KGB in dem Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation (FSB) und dem Dienst der Aussenaufklärung der Russischen Föderation (SWR) auf. Der SWR hat nicht nur die Politik im Ausland im Fokus, sondern ebenso Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Es ist ein umfassender Nachrichtendienst, der auch systematisch ausländische Nachrichtendienste ausspioniert. In der Zentrale ausserhalb des Moskauer Autobahnringes werden 13 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter koordiniert. Wer im Ausland als Spion im Einsatz ist, arbeitet oft bei der russischen Botschaft als irgendein Attaché. Die Hauptabteilung S versorgt ihre verdeckten Spione derweil mit falschen Identitäten. 

 

Söhnchen Bunny und Scott
Besonders wertvoll
sind und waren Maulwürfe. Die Funktion des Maulwurfs ist, sich in eine Organisation einzuschleichen, getarnt seine Stellung in ihr zu festigen und dort nachrichtendienstliche Tätigkeiten zu betreiben. Die Cambridge Five gehörten zu den wichtigsten KGB-Maulwürfen während des Zweiten Weltkrieges. Sie gingen als erfolgreichste russische Agenten in westlichen Nachrichtendiensten in die Geschichte ein. Es handelte sich um einen russischen Spionagering im britischen Geheimdienst MI5 und im amerikanischen CIA. Kim Philby (Deckname: Söhnchen), Donald Maclean, Guy Burgess, Anthony Blunt und John Cairncross wurden in den 1930er-Jahren am Trinity College der Universität Cambridge angeworben.

Sie versorgten bis in die frühen 1950erJahre hinein die Sowjetunion mit wichtigen Informationen. Während des Zweiten Weltkrieges lieferten sie der Sowjetunion Informationen über die Kriegsstrategie und Waffentechnik der westlichen Alliierten. Aber Stalin misstraute diesen Spionen während Jahren, weil er sie für Doppelagenten hielt. Burgess und Maclean flüchteten 1951 in die Sowjetunion, Philby war bis 1963 als Agent aktiv, bevor er ebenfalls in die UdSSR flüchtete. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod 1988 als Berater des KGB. Blunt wurde 1964 enttarnt, erhielt aber als Leiter der königlichen Gemäldegalerie Immunität, um die Queen vor einem Skandal zu schützen. Erst 1979 wurde ihm seine Ritterwürde aberkannt. Neben der Cambridge-Connection bestand offenbar auch eine Oxford-Connection. Wer aber tatsächlich hinter den KGB-Decknamen Bunny und Scott als Rekrutierer stand, blieb bis heute offen.  

 

Spionage aus Liebe
Auch die Schweiz hatte einen berühmten KGB-Spionagefall
. Mitte der 1970erJahre warnte ein ausländischer Nachrichtendienst die Schweizer Behörden vor einem Informationsleck. Der Verdacht fiel auf Brigadier JeanLouis Jeanmaire, was im August 1976 zu seiner Verhaftung führte. Im Juni 1977 wurde er wegen Landesverrats zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt. Jeanmaire hatte sich 1961 mit dem russischen Oberst Wassili Denissenko angefreundet, der als Militärattaché an der sowjetischen Botschaft in Bern wirkte. Ihm und seinem Nachfolger hatte Jeanmaire klassifizierte Informationen über die Schweizer Armee gegeben.

Der kürzlich verstorbene John le Carré, früher auch Spion in Bern für die britische Botschaft, schrieb über den Spionagefall Jeanmaire 1991 das Buch «Ein guter Soldat». Le Carré kam zu dem Schluss, dass Jeanmaire keine politischen Absichten zugunsten des KGB gehabt habe. Der gut aussehende, gross gewachsene, athletische Denissenko habe dem dicken, kleinen Jeanmaire gefallen. Aus einer Art Verliebtheit habe er Denissenko beeindrucken wollen, so John le Carré. Und rückblickend geht man davon aus, dass neben Jeanmaire vor allem Mitglieder des Schweizer Nachrichtendienstes einfach zu gesprächig gewesen seien im Austausch mit ausländischen Geheimdiensten. 

 


Seit dem Bestehen des KGB gehören auch die Giftanschläge zum Rep
ertoire der Auslandseinsätze, ob Nervengift in der Regenschirmspitze oder im Mineralwasser. Das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtete vergangenen Dezember, dass hinter der Vergiftung des russischen Putin-Gegners Alexei Nawalny ein ganzes Agententeam des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB gestanden habe. Alle Mitglieder der Nawalny-Sondereinheit hätten über eine medizinische oder chemische Vorbildung verfügt. Rückstände des Giftes Nowitschok wurden später auf Wasserflaschen in Nawalnys Hotelzimmer gefunden. Russland hatte nach Nawalnys Vergiftung im August eingewilligt, dass dieser in Berlin behandelt werden konnte.

Der FSB ging offenbar davon aus, dass in der Berliner Charité keine Spuren des Gifts mehr nachweisbar sein würden. Doch ein deutsches, französisches und schwedisches Labor sowie die internationale Chemiewaffen-Agentur erbrachten einen NowitschokNachweis aus russischer Produktion nach der Behandlung von Nawalny. Mittlerweile hat die EU Sanktionen gegen Russland verhängt. Nawalny ist inzwischen nach Russland zurückgekehrt, wo er sofort verhaftet wurde. Seine Mitarbeiter veröffentlichten daraufhin eine Video-Dokumentation, wonach sich Putin mit Schmiergeldern ein gigantisches Prunkanwesen am Schwarzen Meer für 1,1 Milliarden Euro erbauen liess. Offiziell gehört nach Medienberichten das enorme Grundstück dem russischen Geheimdienst. 

Schuss aus dem Lippenstift
Am 13. Februar findet bei Julien’s Auctions Beverly Hills eine Versteigerung von KGB-Spionagehilfen statt. Es handelt sich um Ausstellungs-Objekte des KGBSpionagemuseums von New York. Im Angebot sind ein Lippenstift, der gleichzeitig auch ein Minirevolver ist, ein Abhörgerät für Hotelzimmer aus dem Jahr 1964 oder eine seltene sowjetische Version der Chiffriermaschine Enigma.

Versteigert wird ebenfalls ein Nachbau eines Schirms mit einem Spritzenmechanismus in der Spitze. Damit wurde der bulgarischen Schriftsteller Georgi Markow in London liquidiert.

Russische Spionage
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Der frühere Generalmajor des sowjetischen Geheimdienstes Oleg Kalugin bestätigte in einem Interview im bulgarischen Staatsradio, dass dieses Attentat aufgrund eines Befehls der bulgarischen Regierung ausgeführt worden sei. Der KGB habe das Gift und die Kapsel geliefert. Ersteigert werden kann auch eine 500 Kilogramm schwere, in Stein gehauene Skulptur von Wladimir Lenin, die im Hauptquartier des KGB in Kaliningrad stand.

Die Kubakrise im Oktober 1962 war ein gefährlicher Moment in der Geschichte des Kalten Krieges, als sich eine Kriegsgefahr während der 13-tägigen Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über die Installation nuklear bewaffneter sowjetischer Raketen auf Kuba abzeichnete. Viele Stücke der Auktion dokumentieren jene Zeit. Zu den Höhepunkten gehören Che Guevaras Schulzeugnis, ein unterzeichneter Brief von Fidel Castro aus dem Jahr 1958, in dem Pläne zur Infiltrierung der Hauptstadt Havanna besprochen werden. Laut Julien’s Auctions handelt es sich um die grösste Sammlung von KGB-Objekten aus dem Kalten Krieg, die jemals versteigert wurde 

 

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