Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch

Eine Milliarde Eier wurden im vergangenen Jahr in der Schweiz gelegt. Dennoch hinkt die Schweiz beim Eikonsum hinten nach. In Mexiko und Japan werden pro Kopf fast doppelt so viele Eier wie in der Schweiz konsumiert – trotz der grossen Ostertradition.

 von Anton Ladner

Der Schweizer Eiermarkt kennt zwei Nachfragspitzen im Jahr: Ostern für die Ostereier und Weihnachten für das Gebäck. Dazwischen könnte der Markt noch etwas Beleben vertragen. Denn die Schweizer zeigen sich im internationalen Vergleich beim Eikonsum zurückhaltend. Mit 181 Eiern pro Kopf im Jahr liegt die Schweiz weit hinter Mexiko (363), Japan (333), China (306) und den USA (267). Auch in den Nachbarländern der Eidgenossenschaft wird mehr verbraucht: Frankreich kommt auf 219 Eier pro Kopf im Jahr, Deutschland auf 230 Eier, Italien auf 215 Eier und Österreich auf 240 Eier.

Laut Bund haben diese Unterschiede einerseits mit den Konsumgewohnheiten zu tun (insbesondere Frühstücks- und Backkultur), aber auch mit der Tatsache, dass gewisse Eierimporte nicht in der Konsumstatistik aufscheinen. Wie kommt diese Statistik zustande? Betrachtet wird die inländische Eierproduktion aus der sogenannten «Kükenstatistik» von Aviforum. «Dabei wird die Eierproduktion anhand der geschlüpften Legeküken geschätzt. Zur Inlandsproduktion werden die Importmengen von Eiern und Eiprodukten hinzuaddiert», schreibt der Bund dazu. Die importierten Kilo-Mengen werden in Stückzahl umgerechnet und von den Eier-Exporten abgezogen. Daraus ergibt sich der Aussenhandelssaldo. Das Gesamtangebot an Eiern in der Schweiz entsteht damit als Summe des Aussenhandelssaldos und der inländischen Produktion. Der Eier-Verbrauch in der Schweiz hat 2018 mit 1,51 Milliarden Eiern eine neue Spitze erreicht. Die Schweizer Eierproduzenten hatten daran einen Anteil von über 923 Millionen Eiern. Damit konnte der Inlandsmarktanteil auf 61 Prozent ausgebaut werden. Nun ist mit dem Erreichen der Milliarden-Grenze im vergangenen Jahr ein weiterer Zuwachs der sehr unterschiedlich strukturierten Eier-Produzenten (vgl. Kasten) gelungen. Dieses Wachstum sei der Bevölkerungszunahme in der Schweiz und der wachsenden Nachfrage nach Schweizer Ei-Produkten zu verdanken, schreibt der Branchenverband Gallo Suisse. Für das laufende Jahr rechnet er mit einem weiteren Wachstum von vier Prozent, vor allem durch die Ausweitung der Produktion von Bioeiern (vgl. Kasten Tierwohl).

In der Schweiz werden nämlich inzwischen weniger als 20 Prozent Eier aus Bodenhaltung produziert. Im Detailhandel hingegen werden fast 50 Prozent aller Schweizer Eier als Bodenhaltungseier abgesetzt. Dies liegt daran, dass ein Teil der produzierten Freilandeier zu Bodenhaltungseiern deklassiert wird. Diese Deklassierung erfolgt in erster Linie zur Marktstabilisierung und dient der Anpassung des Angebots an die Nachfrage, um das Überangebot von Freilandeiern nach Ostern abzufedern. Damit nicht genug mit Sonderbarem: Freilandeier kosten für den Konsumenten um 18 Rappen mehr, aber der Produzent erhält für ein Freilandei gleich viel wie für ein Ei aus Bodenhaltung. Die den Landwirten entstehenden Mehrkosten werden nur teilweise über die Teilnahme am staatlichen Tierwohlprogramm RAUS, das zu einem regelmässigen Auslauf ins Freie verpflichtet, abgegolten.

Eine Legehenne wird etwa 560 Tage alt und legt ab ihrem 140. Tag bis zu ihrem Tod rund 320 Eier. Der Produktionswert der Schweizer Eier macht nur 2,9 Prozent der landwirtschaftlichen Gesamtleistung aus. Mit neuen Essgewohnheiten, mit dem berühmten Frühstücksei, könnte dieser Wert noch gesteigert werden.

 

Wie viel Tierwohl darf es sein?

Wie Eier produziert werden, wirkt sich direkt auf das Tierwohl aus. Die Käfighaltung für Legehennen ist in der Schweiz seit 1992 verboten. Aus diesem Grund wurde auf die Bodenhaltung umgestellt. Das Schweizerische Tierschutzgesetz garantiert den Hennen in Bodenhaltung allerdings nicht viel Platz. Je nach Haltungssystem dürfen sieben bis 17 Hennen pro Quadratmeter gehalten werden, was Stress verursachen kann. Das kann zu Verhaltensstörungen wie Federpicken und Kannibalismus führen. Zudem ist kein Auslauf gesetzlich vorgeschrieben, was einen Mangel an Beschäftigungen wie Scharren, Kratzen und Picken zur Folge hat. Das sieht bei der Freilandhaltung anders aus. Die Legehennen haben täglich Zugang zu einer Weide. Pro Tier müssen 2,5 Quadratmeter Auslauf gewährleistet werden. Zudem haben die Tiere Sitzstangen und Lege-Nester zur Verfügung. Bei der Biohaltung sind die Flächen noch grösser bemessen: Im Stall dürfen pro Quadratmeter nur fünf Hennen gehalten werden und beim Auslauf stehen pro Tier fünf Quadratmeter Land zur Verfügung. Die maximale Herdengrösse beschränkt sich auf 500 Tiere. Zudem müssen 80 Prozent des Futters aus biologischem Anbau stammen.

 

Grosse Unterschiede bei Produzenten

In der Schweiz existieren 9470 Betriebe, die nicht mehr als 50 Hühner halten, was für eine gesunde Haltung spricht. 796 Betriebe halten bis zu 500 Hühner und 234 sorgen für 200 bis 500 Tiere. Nur 55 Unternehmen bewirtschaften 8000 bis 12 000 und 52 Betriebe über 12 000 Hühner. Ab solchen Grössen wird es allerdings rasch problematisch bezüglich Seuchen und Gesundheitsrisiken. Die Zukunft liegt deshalb nicht in diesen Supergrossbetrieben. Die wachsende Nachfrage nach Bioeiern und das zunehmende Bewusstsein für das Tierwohl werden zu einer Bereinigung führen.

 

Das perfekte Lebensmittel

Das Ei wird bereits mit einer äusserst umweltfreundlichen Verpackung gelegt.

Es braucht zur Aufbewahrung keine Kühlung und hält erstaunlich lange. Das Ei stand einst im Ruf, den Cholesterinspiegel steigen zu lassen. Verantwortlich dafür war ein russischer Forscher, der Kaninchen über Monate mit püriertem Hirn und Eiern fütterte. Viele Kaninchen erlagen in der Folge einem Herzinfarkt. Die Ursache waren massiv verkalkte Arterien. Ein Fall für den Tierschutz, aber nicht für die Forschung, denn Kaninchen sind Pflanzenfresser. Diverse Studien haben inzwischen die Annahme widerlegt, dass Eier den Cholesteringehalt im Blut steigen lassen. Der Grund, dass dies nicht der Fall ist, liegt im ausgeklügelten Stoffwechsel, der bei einem gesunden Menschen die Cholesterinmenge steuert. Wer erblich bedingt einen hohen Wert hat, kann über Verzicht auf cholesterinhaltige Nahrung wie Eier, Krevetten, Lachs den Cholesterinwert ohnehin nur um zehn bis 15 Prozent reduzieren. Und: Cholesterin ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Membrane unserer Körperzellen, es bildet auch das Grundgerüst vieler Hormone wie Testosteron und Östrogen. Mit Proteinen, Antioxidantien, Vitaminen und Mineralien hat ein Ei einen idealen Nährgehalt, besonders in Kombination mit Kartoffeln.

 

Eipulver? Guten Appetit!

Besonders im Süden von Europa haben die Rühreier am Frühstücksbuffet eines Hotels eine besondere Farbe und Konsistenz. Sie werden aus Volleipulver, aus getrockneten Eiern, hergestellt. Denn Eipulver ist gegenüber frischen Eiern deutlich länger haltbar, nämlich fünf bis zehn Jahre. Das Pulver braucht auch keine Kühlung und es ist bedeutend günstiger als Frischeier. Drei Teile Wasser, ein Teil Eipulver und schon kann man frische Volleier vortäuschen. 100 Eipulver entsprechen etwa acht Eiern.

 

Die Osterei-Tradition

Im Christentum gilt das Ei als eines der Symbole für die Auferstehung von Christus. In Marienbildern kommt das Ei als Hinweis auf die Empfängnis Christi durch den Heiligen Geist vor. Im 12. Jahrhundert wurde von der katholischen Kirche die Segnung von Eiern oder Osterspeisen eingeführt. Das Eierfärben hat seinen Ursprung in praktischen Gründen. Aufgrund des Fastengebotes der katholischen Kirche durften ab Aschermittwoch bis Ostern neben Fleisch auch keine Eier gegessen werden. Da die Fastenzeit 40 Tage dauert, erfolgte die Haltbarmachung durch Hartkochen der Eier. Um ältere Eier von jüngeren zu unterscheiden, färbte man sie unterschiedlich. Am Ostersonntag resultierten daraus so verschieden gefärbte Eier mit unterschiedlichen «Frischedaten» zum Verzehr. Das Dekorieren von Eierschalen ist aber weitaus älter als die christliche Tradition, was Funde von 60 000 Jahre alte dekorierter Strausseneier aus dem südlichen Afrika dokumentieren. Bemalte Eier als Grabbeigabe sind zudem aus der europäischen Antike bekannt.