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OSTERN trotz(t) CORONA

 Ja, wir alle müssen zugeben, dass niemand von uns mit einem solchen ultimativen Stopp gerechnet hat. Wir alle stecken im Stau. Und es ist keine kurzfristige Baustelle, die nun auch den weltweiten Handel nahezu zum Stillstand gebracht hat. Zurzeit finden keine Fussballspiele statt und werden keine Schwingerkönige erkoren. Glanz und Gloria ist im Moment unwichtig – denn ein «kronenartiges» Virus hat das Szepter übernommen. Gefragt sind nun Solidarität, Glaubwürdigkeit und ein demokratisches Miteinander.

Das lateinische Wort Corona ist aus dem Griechischen entlehnt und bezeichnete ursprünglich «den aus Blumen und Zweigen gewundenen Blütenkranz als Kopfschmuck für Männer, Frauen und Kinder und erinnert an die Schönheit und die verletzliche, menschliche Würde jedes Menschen». Aber «als metallener Kranz oder als goldene Krone» gilt es auch als Statussymbol der Herrscher, Kriegshelden und Machthaber! Die Passions- und Ostergeschichte in den Evangelien erinnern uns jetzt – in unserem stillen Kämmerlein zu Hause – an jenen «andern König ohne Goldkrone». Schon seine Geburt in einem Stall bedrohte den damaligen König Herodes und bedeutete für ihn und seine Eltern Flucht ins Ausland. Er selbst hatte kein Zuhause, aber er sammelte Freunde und Freundinnen um sich, nannte sie Brüder und Schwestern. Er erzählte ihnen von Gott, der für ihn kein Machthaber war, sondern ein gütiger Vater (und eine verständnisvolle Mutter.) Er lebte, was er predigte, und ermutigte die Barmherzigen. Und Jesus mahnte auch damals schon: STOP CORONA! Verzichtet auf Gewalt und Macht. Liebt einander und achtet einander. Und euch selbst auch.

Als er am Palmsonntag in Jerusalem einzieht – nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel und mit einem Blumenkranz auf dem Kopf –, da jubelt das Volk begeistert. Und seine Jünger und Anhängerinnen sind berauscht und überzeugt, dass er nun die «Hebel der Macht» und das Szepter übernehmen werde.

Aber Jesus greift nicht nach der Krone und erfüllt ihre Erfolgserwartungen und Hoffnungen nicht. Die Mächtigen jedoch fürchten um ihren Einfluss. Die Jünger bekommen Angst. Der römische Statthalter Pilatus wäscht die Hände in Unschuld und die Soldaten erfüllen ihre Pflicht. Und das Volk schreit: «Kreuzige ihn!» Die Dornenkrone wird ihm zum Spott aufgesetzt. Er stirbt. Unschuldig.

Karfreitag: Einmal mehr auf dieser Welt siegt die «Corona der Macht und der Ungerechtigkeit»! Und die Soldaten bewachten sein Grab.

Karsamstag: Die Jünger, Anhängerinnen und Leidtragenden sind ohnmächtig, eingeschüchtert und traurig. Die meisten kehren entmutigt in ihre Dörfer zurück. Für sie ist es der völlige Lockdown. Aber am nächsten, am dritten Tag – an Ostern – wird uns etwas Unglaubliches berichtet:

Und zwar hätten sich die Jünger zu Hause in «Selbstquarantäne» begeben und aus Selbstschutz und aus Furcht alle Türen verriegelt. «Aber da – wird erzählt – kommt Jesus und tritt mitten unter sie und sagt ihnen: Friede sei mit Euch. Ich bin bei Euch alle Tage. Und Gott wird Euch Zukunft und Hoffnung geben.»

Vor zwei Monaten – auf dem Weg zu einer wichtigen Sitzung – verpasste ich diese, weil ich mehrere Stunden in einem unerwarteten Stau stand. Endlich konnte ich dann – langsam − weiterfahren. Und ich erinnere mich jetzt dankbar wieder an jene Leuchtschrift, die vor mir aufblinkte: GUTE FAHRT.

 

Stefan Blumer ist reformierter Pfarrer in Aarau und war im März der Erste, der seine Predigt vor den leeren Rängen der Stadtkirche live auf TeleM1 übertragen liess.