Kundendienst: Tel. 056 203 22 33 kundendienst@dornbusch.ch
  • Facebook
  • Twitter
In Norwegen entsteht am Fuss des Svartisen-Gletschers das erste Hotel mit einer positiven Energiebilanz weltweit. Damit läutet das Architekturbüro Snøhetta eine neue Ära ein. Denn technisch ist es heute möglich, nicht umweltbelastend zu bauen – falls der Wille dazu besteht.

von Carl Meissen

Er wäre in diesem Jahr 251 Jahre alt geworden, Alexander von Humboldt, der Vater der Umweltbewegung. Denn die Erkenntnisse des Naturforschers und Kosmopoliten sind für den heutigen Klimaschutz immer noch grundlegend. Er war während Jahren auf der Suche, um die Zusammenhänge der Natur und des Kosmos zu erkennen. Als er 1799 bis 1804 in Lateinamerika umherreise, erkannte er, wie die Rodung der Wälder dazu führte, dass die Böden nicht mehr Wasser zu speichern vermochten, was er am Beispiel des Wasserspiegels des Valencia-Sees dokumentieren konnte. Er war damit der Erste, der darauf aufmerksam machte, wie der Mensch mit seinen Eingriffen in die Natur das Ökosystem empfindlich störte. Er bezeichnete sie als naturbedrohenden «Menschenunfug», denn er sah den Schutz der Umwelt als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Damals war sein Denken weit der Zeit voraus. Die Verantwortung der Gesellschaft für die Klimaveränderung wird noch heute in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich gesehen. Norwegen ist in dieser Frage in vielen Bereichen Pionier, obschon der Staat immer noch mit der Förderung fossiler Brennstoffe die Haupteinnahmen erzielt.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass das erste Hotel mit einer positiven Energiebilanz in Norwegen am Fusse eines Ausläufers des Gletschers Svartisen am Mesøyfjord gebaut wird. Das Hotelresort Svart wird 2023 fertiggestellt sein und dann 85 Prozent weniger Energie verbrauchen als ein herkömmliches Hotel. Zum Beispiel verfügt das Hotel über technische Einrichtungen, die Strom produzieren. Unter dem Strich resultiert daraus somit bei der Ökobilanz ein Plus, was die Architekten als absolutes Muss für ein Projekt nördlich des Polarkreises erachten.

Snøhetta ist berühmt geworden durch völlig neues Denken. Jetzt bringen sich die Architekten von Snøhetta mit einem nachhaltigen Hotel mit minimalem ökologischem Fussabdruck, der sich erst noch auflösen wird, in eine Pionierrolle. Denn über den Zeitraum von 60 Jahren wird das Hotel mehr erneuerbare Energie produzieren als das Total der Energie, die für den Bau und den Betrieb des Hotels sowie für die Produktion der Materialien und – da staunt man – für den Abriss des Hotels notwendig war.

Die treibende Kraft hinter dem Projekt ist das Reiseunternehmen Artic Adventure of Norway, das 1999 von einem norwegischen Ehepaar gegründet wurde. Stück für Stück hat es sein Haus und einen Zwinger auf Kvaløya bei Tromsø aufgebaut, um Gäste aus der ganzen Welt das Outdoor-Leben in der Arktis anzubieten. Statt Blumen im Garten hat das Ehepaar derzeit 200 Huskys rund ums Haus. Im Angebot sind Erlebnisse in der Wildnis mit Schlittenhunden, Walbeobachtungen auf See und Wanderungen durch einzigartige Landschaften.

Für das Reiseunternehmen ist es ganz zentral, ein nachhaltiges Reiseziel zu schaffen, das umweltfreundlich und energiesparend ist und die Kostbarkeiten der Umgebung schützt. Das Hotel wird nur über ein energieneutrales Boot von der Stadt  Bodø aus erreichbar sein. Damit will Arctic Adventure of Norway Vorbild für einen ökologischen Tourismus werden. Die Umgebung des Polarkreises wird dafür als besonders geeignet betrachtet, weil dort jeder Eingriff in die Natur stark invasiv wirkt und die Klimaveränderung in diesem Gebiet besonders spürbar wird. Natürlich wäre der Schutz der Landschaft am Fuss des Gletschers ohne Hotel noch besser. Doch durch ein Erlebnis in dieser unberührten Natur lässt sich so viel erzieherisches Potenzial aktivieren, dass daraus eine internationale Sensibilisierung für einen aktiveren Schutz der Natur wachsen kann.

Die Form von Svart ist von der Volksarchitektur des «Fiskehjell» inspiriert, von der Holzstruktur zum Trocknen der Fische. Es hat aber auch Einflüsse von der «Rorbu», ein Haus, das die Fischer bei längeren Fangtouren saisonal nutzen. Gleich wie die «Rorbu» wird das Hotel Svart auf Holzpfählen errichtet, um ein Betonfundament zu vermeiden. Das Dach wird mit Sonnenkollektoren bestückt, die mit Wasserkraft produziert werden. Svart bedeutet auf Deutsch schwarz, doch das Hotel dürfte dennoch in der Zukunft als Vorbild Leuchtkraft entwickeln.

Share This