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Achtsam auf die Ski – machs einfach!

Wirkliche Winterstimmung wollte diese Saison bisher, vor allem in den Städten, ja nicht aufkommen. Passend dazu setzt sich ein Trend fort: Die Besucherzahlen in Skigebieten stagnieren oder sinken gar. Ist Wintersport also sprichwörtlicher Schnee von gestern?

Weit gefehlt, denn Skitouren boomen nach wie vor. Laut österreichischem Alpenverein hat sich die Anzahl der Skitourengehenden in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Und auch in der Schweiz fühlt man sich immer seltener einsam auf Skitour; die Begeisterung für die langsame Bewegung bergauf, gefolgt von einer einzigen rasanten Abfahrt, ist ungebrochen.

Nun mag die Verlagerung auf den Wintersport aus eigener Kraft durchaus positive Seiten haben, vor allem aus Sicht des Landschaftsschutzes. Vielleicht führen die sinkende Nachfrage nach Liftinfrastruktur und die wachsende nach «unberührter» Natur ja doch irgendwann zum Rückbau nicht mehr rentabler Aufstiegshilfen und zur Renaturierung planierter Pisten. Oder zumindest dazu, dass keine neuen Skigebiete mehr entstehen und alte nicht erweitert werden. Die Wertschätzung naturbelassener Landschaften unter Sportlerinnen und Sportlern führt eventuell auch dazu, dass diese sich für den Schutz ihrer «Spielwiesen» einsetzen. Aus rein landschaftsschützerischer Perspektive eine wünschenswerte Entwicklung.

Aus Sicht des Naturschutzes sieht die Sache anders aus: Immer mehr Menschen in unberührten und teils sensiblen Gebieten können Folgen für Flora und Fauna haben. Wildtiere sind im Winter empfindlich gegenüber Störungen, Verbiss an Bäumen ist nur eine Folge, wenn die durch Flucht verbrauchten Energiereserven nicht durch andere Nahrung aufgefüllt werden können. Wäre es aus Naturschutzsicht also nicht besser, die Leute würden sich auf den Skipisten konzentrieren als sich in naturnahen Landschaften zu verteilen? Von naturverträglichen Skitouren kann man laut dem Verein Natur & Freizeit jedenfalls nur sprechen, wenn man Wildruhezonen und Schutzgebiete respektiert, im Wald auf Wegen und ausgewiesenen Routen bleibt, Waldränder und schneefreie Flächen meidet und Hunde, falls diese schon mit müssen, an der Leine führt.

Was wir Skitouren-Fans aber auch nicht vergessen dürfen, ist, dass die grössten Umweltauswirkungen des Wintersports bei der Anreise ins Berggebiet entstehen, zumindest wenn wir von Treibhausgasen, Lärm und Luftbelastung sowie Versiegelung und Erosion des Bodens sprechen.

Als bayrischstämmigen Migranten verwundern mich auf Skitour in der Schweiz immer wieder zwei Dinge. Das erste ist, wie hervorragend man mit dem öffentlichen Verkehr an die allermeisten Skitourenziele gelangt.

Das zweite ist, wie rappelvoll die Parkplätze an Skitourenausgangspunkten dennoch sind. An einem schönen Tag mit Schnee sind die Strassen oft bis weit vor dem Parkplatz zugeparkt, gerne auch in Zweierreihen neben der Strasse. Und das trotz Erreichbarkeit mit dem Postauto. Unverständlich! Zumindest für einen Einwanderer aus einem Land mit wenig skitourentauglichem ÖV, für den sein Generalabonnement ein Symbol von Freiheit gepaart mit Umweltverträglichkeit ist.

Ein Leben ohne eigenes Auto ist gerade für die Stadtbevölkerung, welche es am Wochenende in die Natur zieht, wohl nirgends in Europa so einfach zu realisieren wie hier in der Schweiz. Neben dem regulären ÖV gibt es zahlreiche Zusatzangebote, welche die «letzte Meile» zwischen Zielbahnhof und Tourenstart erschliessen, so zum Beispiel seit Winter 2018/19 Schneetourenbus.ch oder das etablierte AlpenTaxi. Die Ausreden für die Anreise mit dem Auto sind also wenig tragfähig. Dass gerade in Umweltfragen ein himmelweiter Unterschied zwischen Wissen und Handeln besteht, ist nichts Neues und von Umweltpsychologen vielfach bestätigt. Manchmal braucht es eben einfach etwas Überwindung, einen kleinen Tritt in den eigenen Allerwertesten, um ein Verhalten zugunsten der Umwelt zu ändern. Passend dazu fällt mir der Deutsche Alpenverein mit seiner aktuellen Sensibilisierungs-Kampagne ein – deren Motto: «Mach’s einfach!»

 

Tim Marklowski ist Projektleiter Bergsport bei Mountain Wilderness Schweiz. Der Verein setzt sich ein für eine unverbaute, ruhige Bergwelt, einen Bergsport, der Rücksicht nimmt auf Mensch, Kultur und Natur, und für die Förderung und Erhaltung der alpinen Wildnis.

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