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Die optimale Beziehung ist eine Ausnahme, denn die meisten Beziehungen sind nur suboptimal. Es könnte immer besser oder schöner sein. Allerdings auch viel schlimmer. Mit etwas spiritueller Selbstfürsorge lässt sich ein Gleichgewicht finden.

von Anton Ladner

Viele Menschen haben eine klare Vorstellung, wie eine Beziehung sein sollte. Entstanden sind diese Ideen weniger aus der Erziehung zu Hause, sondern aus Büchern, Filmen und aus der Werbung. Plattitüden und Kitsch prägen nämlich das Innere stärker, als man wahrhaben will, vor allem bei Beziehungen. Weil man eine klare Vorstellung davon hat, wie es eigentlich sein sollte oder sein müsste, beginnt man die Partnerin oder den Partner in diese Form zu pressen. Konkret: Sie oder er muss sich so anpassen und ändern, bis er in diese Form der Vorstellung passt. Da eine Partnerschaft eine bilaterale Angelegenheit ist, geschehen diese Umbaubemühungen oft auf beiden Seiten.

Langsam kommt es so zu einer toxischen Beziehung. Das hat eine klare Folge: Die Verbindung kostet viel mehr Kraft, als sie gibt. Das führt zu einem Defizit, zu Verbitterung, Sprachlosigkeit, Hass, Verachtung. In jeder Beziehung wird gelogen, gestritten, beleidigt und geschwiegen – auch in den optimalen Beziehungen. Toxisch wird es erst, wenn man den Partner oder die Partnerin nicht annehmen kann, wie er oder sie nun mal ist. Natürlich fällt das nicht leicht, deshalb hilft dabei etwas Spiritualität. Wie geht das konkret? Indem man zum Beispiel sich nicht mehr für alles mitverantwortlich fühlt, sondern das Schicksal des Partners oder der Partnerin an eine höhere Macht delegiert. Pille nicht genommen, zu spät dran, Zahlung vergessen usw. Das soll jetzt die höhere Macht regeln. Hat der Partner oder die Partnerin keine Lust auf Theater, Kino, Museum, dann wird eben ein Ersatz organisiert, um den eigenen Wunsch zu realisieren. Das ermöglicht in der Beziehung ein neues Gleichgewicht, weil schlicht weniger «Gift» produziert wird. Es geht dabei auch um die Erfahrung der Bewältigungsfähigkeit. Eigenschaften, die nun mal so sind, wie sie sind, lassen sich viel offener und damit leichter überwinden, wenn man über Bewältigungserfahrungen verfügt. Diese Erfahrungen beginnen allerdings im eigenen Innersten mit einer spirituellen Note. Zum Beispiel mit dem Hinnehmen, dass es einfach so ist, wie es ist, so sein muss, wie es ist. Dann fühlt sich das Gegenüber angenommen, was Neues möglich macht.

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