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Ein Personalentscheid wirft ein Schlaglicht auf Polen. Tomasz Greniuch wurde zum Direktor der Breslauer Niederlassung des Instituts für Nationales Gedenken ernannt. Er organisierte früher mit Hitlergruss antisemitische, homophobe und fremdenfeindliche Aufmärsche. Jetzt ist er in der Mitleitung von Polens einflussreichster Institution für das Studium der modernen und zeitgenössischen Geschichte.

von Anton Ladner

«Mit Erstaunen haben wir erfahren, dass Tomasz Greniuch, der neue Direktor der Breslaue Niederlassung des Instituts für Nationales Gedenken, nichts dabei findet, die Hand zum Nazigruss zu erheben», kommentierte die israelische Botschaft in Warschau die Wahl Greniuchs. Zuvor wehrten sich Politiker in Breslau gegen seine Wahl und der Bürgermeister von Breslau erklärte Tomasz Greniuch wegen seines Antisemitismus und seiner Hassreden zur Persona non grata. Denn der 39-Jährige war ein langjähriger Aktivist des Nationalradikalen Lagers und rechtfertigte den Hitler-Gruss, weil es sich ja um den römischen Gruss handle. Der Präsident des Instituts für Nationales Gedenken verteidigt aber die Wahl Greniuchs. Die Vorwürfe gegen den Historiker beträfen Jugendsüden, für die sich Greniuch mehrfach entschuldigt habe.

Verdienstkreuz trotz allem
Tomasz Greniuch ist Absolvent der Fakultät für Geschichte und Pädagogik an der Universität in Opole. 2018 dissertierte er an der Katholischen Universität Lublin. In seiner biografischen Notiz gibt er zu, dass er bis 2013 ein Aktivist des Nationalradikalen Lagers ONR war, eine rechtsextreme Organisation. Aus diesem Grund haben sich auch die Mitarbeiter des Instituts für Nationales Gedenken gegen ihn als neuen Leiter ausgesprochen. Die Position dürfe nicht von jemandem besetzt werden, der sich ideologisch so sehr rechtsextrem engagiert habe, begründeten sie ihre Haltung. In dieser Funktion war Greniuch ein aggressiver Anführer, der antisemitische, homophobe und fremdenfeindliche Aufmärsche organisierte. Diese Unabhängigkeitsmärsche in der polnischen Hauptstadt zogen die radikalen Rechten aus anderen Ländern an und führten zu Brandanschlägen und Zusammenstössen mit der Polizei.

Institut für Nationales Gedenken 
Das Institut hat zur Aufgabe, Dokumente über Vergehen während des Zweiten Weltkrieges zu archivieren. Es geht dabei um Taten, die von den Nazis, den Sowjets und später von der Volksrepublik Polen an Polen begangen wurden. Vor drei Jahren wurde das Gesetz über das Institut für Nationales Gedenken revidiert. Es regelt neu den Diskurs über die deutsche Besatzungszeit. Öffentliche Äusserungen können mit Strafen bis zu drei Jahren geahndet werden, wenn Polen «faktenwidrig die Verantwortung oder Mitverantwortung für Verbrechen» zugeschrieben werden. Das Gesetz zielt hauptsächlich auf die Verwendung von Begriffen wie «polnische Todeslager». National wie international kritisiert wird, dass mit dieser Strafnorm auch Informationen und Recherchen zu tatsächlichen Kollaborationen von Polen mit den Nationalsozialisten und zu antisemitischen Gewalttaten durch die polnische Bevölkerung zensiert werden könnten.

 

Greniuch
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Meinungsänderung zugesichert
Im Jahr 2018 verlieh der polnische Staatschef Andrzej Duda dennoch Tomasz Greniuch das Bronzene Verdienstkreuz. Eine sonderbare Ehre für eine Person, die bis 2013 für die rechtsextreme antisemitische Bewegung kämpfte und in Kontakt mit europäischen Rechtsextremen stand. Greniuch selbst und alle, die ihn verteidigen, versichern, dass er Busse geleistet und seine Meinung geändert habe. Doch die Fotos von ihm mit antisemitisch-nationalistischen Symbolen und mit ausgestrecktem rechtem Arm, dem Nazi-Gruss, oder, wie er sagt, dem Römergruss, bleiben eine Realität.

2008 ermittelte die polnische Justiz gegen das Nationalradikale Lager ONR, aber nicht gegen Greniuch persönlich, wegen der Propaganda von Naziideologie. Greniuch organisierte in jener Zeit eine Feier zum Gedenken für den antisemitischen Führer der 1930er-Jahre, Adam Doboszynski, der 1936 einen Pogromangriff auf die polnische Stadt Myslenice organisiert hatte. Greniuch erklärte 2006: «Für mich ist der ausgestreckte Arm das Symbol des alten Roms, mit Hitler, der diesen Gruss usurpiert hat, habe ich nichts zu tun.» Aber die Organisation ONR kämpfte und kämpft immer noch für ein «ethnisch reines Polen». Für die israelische Botschaft in Warschau steht fest: «In einem Land wie Polen, das so sehr unter der Nazi-Besatzung gelitten hat, sollte es keinen Platz für diejenigen geben, die den Nazi-Gruss verwenden oder verwendet haben.»

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