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1971 lag die Beteiligung bei den eidgenössischen Parlamentswahlen noch bei 56,9 Prozent. Dann nahm die Wahlbeteiligung Jahr für Jahr ab. 1995 gingen noch 42,2 Prozent der Berechtigten wählen. Seither entwickelt sich die Wahlbeteiligung positiv und erreichte 2011 und 2015 mit 48,5 Prozent ein neues Hoch. Einiges weist darauf hin, dass bei den kommenden Wahlen mehr als die Hälfte wählen wird.

 von Anton Ladner

 Wer in diesen Tagen auf der Strasse Unterschriften für eine Initiative sammelt, erlebt sehr unterschiedliche Welten und Haltungen – von Furcht, Desinteresse über Gleichgültigkeit bis hin zur engagierten Unterstützung. Besonders diskussionsfreudig und engagiert zeigen sich Menschen im AHV-Alter und Junge. Daraus resultiert die politische und apolitische Schweiz: Die Stimm- und Wahlberechtigten, die am Urnengang teilnehmen, und jene, die fernbleiben.

Blickt man auf die vergangenen 20 Jahre zurück, war bei den Aktiven das Hauptmotiv für die Beteiligung «die Mitbestimmung». An zweiter Stelle stand das Motiv «Tradition und Pflicht» für die Teilnahme an den eidgenössischen Wahlen. Dieser Beweggrund nahm aber über die Jahre von 24 auf 19 Prozent ab, was darauf hinweist, dass vor allem ältere Wahlberechtigte von dieser Motivation geleitet sind. Blickt man auf die sozialen Merkmale der Wählenden, ergibt sich ein klares Bild: Bürgerinnen und Bürger mit Matura, Fachhochschul- oder Universitätsabschluss beteiligen sich immer stärker an den Wahlen. 1995 waren es 53 Prozent, 2007 stieg die Beteiligung auf 61 Prozent. Der Umkehrschluss daraus lautet: Von den Menschen mit einem Einkommen von über 9000 Franken pro Monat gehen fast doppelt so viele wählen wie von jenen, die unter 3000 Franken verdienen. Das stützt die These, dass Menschen, die sich abgehängt fühlen, sich auch politisch abwenden.

Zurück auf die Strasse zur Unterschriftensammlung für eine Initiative: Da zeigen sich Seniorinnen, Senioren und junge Erwachsene besonders disponibel. Das spiegelt sich in ihrem Wahlverhalten. Bei den 18- bis 24-Jährigen hat die Wahlbeteiligung in den vergangenen 20 Jahren stets zugenommen. Lag sie 1995 noch bei 21 Prozent, hat sie sich seither fast verdoppelt. Bei den anstehenden Wahlen im Oktober wird sie wohl aufgrund der Klimadiskussion und der klimabewegten Jugend nochmals stark zunehmen. Derweil ist bei den älteren Bürgerinnen und Bürgern die Wahlbeteiligung mit plus/minus 60 Prozent seit Jahren überdurchschnittlich hoch.

 Die interessanteste Frage lautet somit: Wie würde das eidgenössische Parlament aussehen, wenn alle Berechtigten zur Urne gingen? Der Politologe Andreas Ladner kam aufgrund der Ergebnisse der Wahl 2007 zum Schluss, dass nur die SVP, und zwar zulasten der FDP,  von den Nichtwählerinnen und Nichtwählern profitiert hat. Bei den Parteien SP, CVP, Grüne hätte sich derweil mit den Stimmen  der Nichtwähler nichts verändert.

Seit 1995 entwickelt sich die Beteiligung bei eidgenössischen Wahlen wieder positiv. Sie stieg von einem Schweizer Durchschnitt von damals 42,4 auf 48,5 Prozent. Hängt das mit den wachsenden Budgets für nationale Wahlen zusammen? Für die Wahlen 2019 mit dem neuen Rekord von 4652 Kandidierenden für die 240 Sitze im National- und Ständerat steigen auch die Budgets für Werbematerial. Die Gesamtausgaben für den Wahlkampf 2019 werden bei über 50 Millionen Franken liegen. 2003 betrugen sie noch knapp 30 Millionen Franken. Es handelt sich dabei um eine Schätzung, weil die persönlichen Ausgaben der Kandidierenden nicht ermittelbar sind. Ohne Plakate an Hauswänden und Strassenrändern geht es nicht, lautet das Credo über alle Parteien hinweg. Ob die Präsenz bei dieser neuen Dichte aber noch zieht, bleibt eine reine Glaubensfrage.