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Oft liegt im Chaos und Unbekannten auch eine Schönheit des Lebens verborgen. Das zeigt sich besonders deutlich in der Corona-Krise. Der Grund liegt in neuen emotionalen Erfahrungen.

Der Jazzpianist Keith Jarrett hat mit der Schallplatte «The Köln Concert» 1975 internationalen Ruhm erlangt. Im soeben erschienenen unkonventionellen Buch «Unfog your Mind» («Befreie den Geist vom Nebel») beschreibt der deutsche Coach Leander Greitemann, wie Jarrett dieses Konzert absagen wollte. Denn der Flügel war in Teilen defekt, verstimmt und die Pedale klemmte. Weil der Konzertsaal ausverkauft war, liess sich Jarrett schliesslich umstimmen. Er musste teilweise stehend spielen, um mit grösserer Kraft in die lädierten Tasten greifen zu können. Die Albumaufnahme des Improvisations-Solokonzertes vom 24. Januar 1975 in Köln ist heute noch die meistverkaufte Jazz-Soloplatte.

«Woher wissen wir, dass die Art, wie wir die Dinge tun, die beste für uns ist, wenn wir nicht reflektieren, infrage stellen und experimentieren?», schreibt Autor Greitemann in seinem Buch. Die Corona-Krise hat dazu gezwungen. Daraus resultieren neue emotionale Erfahrungen – durch Zwangsschliessungen, durch Rückzug aus Kontakten, durch neue Freizeitgestaltung. «Unser Familienleben wurde dadurch schöner», berichtet eine Mutter. «In den vergangenen Wochen assen wir immer gemeinsam Abendessen, schauten danach oft gemeinsam einen Film und führten längere Gespräche. Das hat mir gefallen.» Und ein Vater dreier schulpflichtiger Kinder erzählt, wie das ungewohnte Zusammenleben zu Hause mit ihm im Homeoffice zu neuen Dynamiken geführt habe. «Irgendwie ist es jetzt besser als zuvor trotz aller Schwierigkeiten», lacht er. Oft liegt im Chaos und Unbekannten auch eine Schönheit des Lebens verborgen. Sie lässt sich vor allem dann leicht entdecken, wenn man die Situation so akzeptiert, wie sie sich manifestiert: schlimm, voller Ungewissheit, voller Gefahren. Sich einfach darauf einzulassen bedeutet nämlich immer auch, sich einzubringen. Diese Form der emotionalen Selbstfürsorge ermöglicht Gestaltung, neue Formen, neue Emotionen, die wie Beschleuniger wirken. Keith Jarrett ist mit seinem «The Köln Concert» ein wunderbares Beispiel dafür. Bevor Sie den Kopf hängen lassen, hören Sie im Internet kurz aus diesem Jazz-Solo. Es wird sie beschwingen.