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Unsere Grundstimmung ist besser als wir uns eingestehen. Aber es wird als schnell als naiv betrachtet, einfach dem sogenannten Optimismusvorurteil zu folgen. Warum das ein Fehler ist.

Eine US-amerikanische Studie hat ergeben, dass der Mensch grundsätzlich überzeugt ist, dass die Zukunft besser sein wird als die Gegenwart. Der junge Mensch geht davon aus, dass er Karriere machen wird, dass es in seinem Leben zu keiner Scheidung kommen wird und dass seine künftigen Kinder seinen Vorstellungen entsprechen werden. Der alte Mensch glaubt derweil, dass in seinem Falle das Leben eine Ausnahme machen werde, dass er bei bester Gesundheit sehr alt werde. Wer mit dieser Grundeinstellung lebt, hat – so die Bezeichnung – Optimismusvorurteile. Der Begriff Vorurteil ist allerdings negativ besetzt. Nach dem US-Psychologen Gordon Allport geht es bei Vorurteilen immer um unhinterfragte Einstellungen und Überzeugungen, was nach seiner berühmten Allport-Skala zu Verleumdung, Kontaktvermeidung, Diskriminierung, körperliche Gewalt und gar Vernichtung führen kann. Vorurteile gelten so als Einschränkungen in der Urteilsfähigkeit. Wer will das schon? Es wird dabei nicht zwischen negativen und positiven Vorurteilen unterschieden. Deshalb hat das Optimismusvorurteil keinen leichten Stand. Die Vorstellung dominiert, man müsse die angeborene positive Grundeinstellung domestizieren, um erwachsen, reif, vernünftig oder abgeklärt zu werden. Durch diese Einstellung beraubt man sich aber einer wichtigen Energie, die zum Positiven treibt. Die Vernunft wird so zur grossen Bremse. Sie blockiert die gute Energie und verführt zur Illusion, die Fakten neutral erkennen zu können. Jeder Mensch – auch der abgeklärte – neigt dazu, die Fakten so weit zu verzerren, bis sie mit seinen fixen Ansichten übereinstimmen. Denn grundsätzlich mag man keine kognitiven Dissonanzen: Wenn eine Tatsache die Ansicht konterkariert, findet man schnell gute Gründe, die Tatsache so zu biegen, bis sie wieder mit der fixen Ansicht übereinstimmt. Das erklärt, warum so viele Menschen sich in einer negativen Spirale bewegen. Sie trauen der positiven Grundeinstellung nicht, meinen, sie müssen die Vernunft walten lassen, die dem konstruierten Pessimismus zudient. Wer meint, aus Vernunftgründen schwarzmalen zu müssen, verliert somit den Zugang zu sich, zu seiner Grundeinstellung, zum eigenen Optimismusvorurteil.